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Parks von Sanssouci oder Charlottenburg: Besuch beim Alten Fritz bleibt kostenlos

zuletzt aktualisiert: 18.02.2005 - 12:15

Potsdam (rpo). Morgendliches Joggen vor großer Kulisse bleibt umsonst: Auch in Zukunft wird der Besuch der weltberühmten Parks von Schloss Sanssouci keinen Eintritt kosten. Der Rat der Stiftung Preußische Schlösser und Gärten hat beschlossen, nur ein freiwilliges Eintrittsgeld von den Besuchern zu erbitten. Die Erleichterung ist groß: "Darüber freuen wir uns riesig", sagte Henry Engel von der Bürgerinitiative "Park frei", die gegen ein Pflichtentgelt gekämpft hatte.

Jahrelang hatte die Stiftung überlegt, ob sie zumindest für den Eintritt in die größten und beliebtesten Gärten Geld verlangen kann. Die Gartenpflege wird immer teurer, die Schäden wegen Vandalismus nehmen zu. Ohnehin kommt die Schlösserstiftung trotz ihres Jahresetats von 45 Millionen Euro bei der Sanierung der in DDR-Zeiten vernachlässigten Prachtbauten kaum nach. Allein für die Renovierung des teilweise baupolizeilich gesperrten Neuen Palais in Potsdam sind 100 Millionen Euro notig.

Zwei bis vier Euro Eintritt für Park Sanssouci, den Neuen Garten in Potsdam oder den Schlosspark Charlottenburg in Berlin könnten helfen, um zumindest den in diesem Jahr bei 6,4 Millionen Euro liegenden Aufwand für die Gartenpflege stabil zu halten. Schnell aber regte sich Widerstand unter den Einheimischen, denn für sie sind die einst von Friedrich dem Großen angelegten und im frühen 19. Jahrhundert vom Landschaftsarchitekt Peter Joseph Lenné neu gestalteten Gärten so etwas wie in anderen Städten große Volksparks.

Jeden Morgen schnaufen zwischen dem prächtigen Terrassen von Schloss Sanssouci und dem Neuen Palais die Jogger, sonntags wird die riesige Freitreppe vor dem Sommerschloss Friedrichs des Großen von hunderten Spaziergängern bevölkert, auf abgelegeneren Pfaden schlendern junge Paare zwischen wertvollen Statuen, kunstvollen Hecken und aufwendig gepflegten Beeten. Warum sie alle nun plötzlich zahlen sollten, sahen viele nicht ein.

"Ich muss jeden Tag auf dem Weg zur Vorlesung durch den Park Charlottenhof", sagt etwa Henry Engel von der Potsdamer Bürgerinitiative "Park frei". Hörsäle, Seminarräume und die Mensa der Potsdamer Uni befinden sich im Park hinter dem Neuen Palais. Auch in Berlin-Charlottenburg hatte sich Widerstand geregt. "Das wäre eine Trennung in Arm und Reich für die Anwohner gewesen", erklärt Angelika Motes von der Initiative "Rettet den Schlosspark".

Doch nun bleibt alles, wie es ist. Anderenfalls hätte die Stiftungssatzung geändert werden müssen, die ausdrücklich den kostenlosen Parkzutritt vorsieht. Dafür wäre ein einstimmiger Beschluss des Stiftungsrates nötig, dem je zwei Vertreter der Länder Berlin und Brandenburg, des Bundes sowie die beiden Landeskulturminister angehören.

"Überall oder nirgends"

Der Berliner Kultursenator Thomas Flierl (PDS) aber wollte in seinem Hoheitsgebiet keine Eintrittsgelder und hatte deshalb vorgeschlagen, nur in den Brandenburger Parks Kassenhäuschen aufzustellen. Das wiederum empörte die dortige Kulturministerin und Stiftungsratsvorsitzende Johanne Wanka. "Entweder überall oder nirgends", stellte die CDU-Politikerin klar.

Jetzt einigte sich das Gremium darauf, dass ab Januar 2006 in allen Parks und Gärten Eintritt gezahlt wird - aber freiwillig. Generaldirektor Hartmut Dorgerloh rechnet mit Mehreinnahmen in zweistelliger Millionenhöhe. "Wir haben fünf Millionen Besucher pro Jahr", sagt er. Auf deren Spendierfreudigkeit ist er nun angewiesen.

Oder doch nicht? Wie das freiwillige Ticket in der Praxis kassiert werden soll, ist noch offen. Dorgerloh schwebt eine konkrete Summe von zwei bis drei Euro für die Ticketspende oder 10 bis 15 Euro für eine Jahreskarte vor. An allen Pforten will er Automaten aufstellen lassen, an größeren Toren könnten Ein-Euro-Jobber die Besucher auf "die Möglichkeit des Ticketkaufs hinweisen".

"Wenn Touristen die Automaten sehen, werden sie bestimmt Geld reinstecken und eine Eintrittskarte ziehen. Da wird sicher nicht groß 'Freiwillig' draufstehen", vermutet Motes von der Charlottenburger Bürgerinitiative. "Also ick steck' da mit Sicherheit nichts rein."

Quelle: ap

 
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