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Remagen
Bildhauen für eine moderne Welt

Remagen. Rolandseck zeigt Skulpturen von Henry Moores künstlerischer Wahlverwandter Barbara Hepworth. Von Bertram Müller

Als der britenfreundliche Helmut Schmidt 1979 vor dem Bundeskanzleramt in Bonn Henry Moores Plastik "Large Two Forms" aufstellte, wurde der Name Moore bei uns zum Inbegriff der modernen Skulptur. Die beiden ineinandergreifenden Formen ließen sich als Spiegel natürlicher Prozesse deuten, aber auch als das Mit- und Gegeneinander von Bundesrepublik und DDR. Warum wurde in Deutschland nur Moore so bekannt und nicht die gleichermaßen bedeutende Barbara Hepworth?

Beim Gang durch die Ausstellung "Barbara Hepworth. Skulptur für eine moderne Welt" im Remagener Arp-Museum Bahnhof Rolandseck kann man dazu nur Vermutungen anstellen. Drang ihr britischer Ruhm nicht zu uns herüber, weil die deutsche Männergesellschaft der Nachkriegszeit ihn einer Frau nicht gönnte? Barbara Hepworth (1903-1975) und Henry Moore kannten sich seit ihrer Studienzeit. Sie schufen einen Stil, der sich mit seiner Vorliebe für Rundungen, dem Spiel von Innen und Außen und dem angestrebten Bezug zu Landschaft und Architektur an organischen Formen orientiert. Beide Künstler machten sich mit großen Außenplastiken in Bronze einen Namen, beider Kunst entwickelte sich aus der englischen Landschaft.

Die Remagener Ausstellung, die zuvor in anderer Zusammenstellung bereits in der Tate Britain und im niederländischen Kröller-Müller-Museum zu sehen war, beginnt mit Barbara Hepworths Wegbegleitern. Moore ist durch eine handliche Marmor-Schlange und ein "Sitzendes Mädchen" vertreten, Jacob Epstein durch marmorne Tauben-Plastiken. Anschließend geht es durch eine Tür in eine Nachbildung des Ateliers, das sie mit ihrem zweiten Ehemann Ben Nicholson bewohnte. An der Wand hängen exquisite Beispiele seiner abstrakten, von Linien durchpulsten Malerei. Wie eng die beiden zusammenarbeiteten, zeigt sich daran, dass sich Ritzungen wie auf Nicholsons Bildern auch in den Kleinplastiken von Barbara Hepworth finden. Hepworth arbeitete sich mit der Zeit von tierischen zu menschlichen Formen vor, ebenso vom Stein zum Holz. Und als die Zusammenarbeit mit Nicholson auch Drillinge gezeitigt hatte, setzte die inzwischen vierfache Mutter zusehends auf Bronze. Denn durch Güsse ließ sich ein Entwurf mehrfach verkaufen.

Höhepunkt der Ausstellung ist jener Raum, der am deutlichsten die Nähe der Künstlerin zum Werk des Rolandsecker Museumspatrons Hans Arp spüren lässt: Rundliche Skulpturen aus heutzutage politisch inkorrektem Tropenholz verweben mit ihren Höhlen Außen- und Innenwelt, nehmen in ihren Titeln Bezug auf die Antike. Delphi, Delos und Korinth setzen Zeichen von überzeitlicher Schönheit. Von den großen Außenskulpturen der Barbara Hepworth kann man sich dagegen nur im Film ein Bild machen - und sich dabei bewusst werden, in welchem Maße Hepworths Werk in die Landschaft von Cornwall mit ihren Hünengräbern eingebettet ist.

Mit dem Ehepaar Arp und Piet Mondrian war Barbara Hepworth Mitglied der internationalen Künstlergruppe "Abstraction-Création", schon 1936 erwarb erstmals das Museum of Modern Art eine Skulptur von ihr, 1965 wurde sie in den Adelsstand erhoben. 72-jährig starb sie beim Brand ihres Ateliers. Heute ist es ein Museum zu ihren Ehren, ein Ableger der Tate, ein Lob auf die ungegenständliche Kunst der Moderne.

Info Ausstellung bis 28. August im Arp-Museum Rolandseck; Di.-So. 11-18 Uhr; Eintritt: neun Euro, ermäßigt: sieben Euro

Quelle: RP
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