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Debatte um Hitlers Hetzschrift
Bayern will "Mein Kampf"-Nachdrucke verhindern

Umstritten: Hitlers "Mein Kampf" soll versteigert werden
Umstritten: Hitlers "Mein Kampf" soll versteigert werden FOTO: afp, fjb/tcs
München. Während der Historikerverband sich für eine kritische Edition einsetzt, will sich Bayerns Justizminister Winfried Bausback (CSU) bei der Justizministerkonferenz auf Rügen für ein bundesweites Vorgehen gegen mögliche Nachdrucke von Adolf Hitlers Hetzschrift "Mein Kampf" einsetzen.

"Das sind wir den Opfern des Holocausts und ihren Angehörigen schuldig", sagte Bausback am Mittwoch. Am 31.
Dezember 2015, gut 70 Jahre nach Hitlers Tod, erlöschen die deutschen Urheberrechte an dem Buch, die der Freistaat Bayern innehat. Dieser kann sich dann nicht mehr auf das Urheberrecht beziehen, um Nachdrucke von "Mein Kampf" zu verhindern.

"In Deutschland ist kein Platz für Antisemitismus, Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit", betonte Bausback. "Wir müssen deshalb mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln des Strafrechts gegen jeden strafrechtlich relevanten Nachdruck der Schandschrift "Mein Kampf" vorgehen." Das Thema steht an diesem Donnerstag in Rügen auf der Tagesordnung.

Historiker: Wichtig für Geschichtskultur

Angesichts der aktuellen Diskussion um Adolf Hitlers Buch "Mein Kampf" unterstützt der Historikerverband das Vorhaben, eine kritische Edition zu erarbeiten und zu veröffentlichen. In einem Gespräch mit der "Neuen Osnabrücker Zeitung" erklärte eine Sprecherin, eine solche Ausgabe sei nicht nur für die Forschung ein dringendes Desiderat, sondern auch für eine aufgeklärte Geschichtskultur wichtig. Die Veröffentlichung einer kritischen Edition sei am besten geeignet, der gefährlichen Mythisierung von Hitlers "Mein Kampf" entgegenzuwirken.

Der Verband der Historiker und Historikerinnen Deutschlands versteht sich als Vertretung der deutschen Historiker vor der Öffentlichkeit. Die bayerische Staatsregierung, die bis 2015 die Rechte an dem Titel besitzt, hatte das Münchner Institut für Zeitgeschichte mit einer kritischen Ausgabe des Buchs beauftragt, Ende vergangenen Jahres aber ihre Förderung eingestellt. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) erklärte, der Einsatz für ein Verbot der NPD lasse sich nicht mit der Herausgabe des Hitler-Buches vereinbaren.

Das Institut für Zeitgeschichte seinerseits kündigte an, die Arbeiten an einer wissenschaftlichen Edition von Adolf Hitlers "Mein Kampf" fortzusetzen. Das Ergebnis werde fristgerecht zum Ablauf der urheberrechtlichen Sperrfrist Ende 2015 veröffentlicht.

Laut "Neuer Osnabrücker Zeitung" hatte die niedersächsische Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz (Grüne) erläutert, die Verbreitung des Buches in Deutschland sei auch mit einem Sondergesetz nicht zu verhindern.

Hintergrund

Nach seinem Umsturzversuch im November 1923 hat Adolf Hitler, in der Festung Landsberg inhaftiert, 1924 sein Buch "Mein Kampf" geschrieben. Darin legte er seine politischen Ansichten und Pläne dar. Als fanatischer Antisemit war Hitler Anhänger der "Rassentheorie", die Mitte des 19. Jahrhunderts in Frankreich entstand und in rechtsnationalen Kreisen in mehreren europäischen Ländern viele Anhänger hatte. In dieser Weltsicht war die sogenannte "arische Rasse" - deren edelste Vertreter in Hitlers Weltsicht die germanischen Völker waren - Begründer der menschlichen Kultur. Die Juden hätten eine "verderbliche Rolle in der Geschichte der Menschheit" gespielt.

In der Hetzschrift sind die Grundlagen für Hitlers spätere Eroberungspolitik angelegt, wie manchen Gegnern Hitlers schon früh auffiel. Das Buch wurde zunächst aber aufseiten der demokratischen Parteien nicht ernst genommen. Der erste Band erschien im Juli 1925, der zweite folgte im Dezember 1926. Der Absatz des Buches war gesichert - unter anderem, weil nach 1933 jedes Paar bei der Eheschließung ein Buch im Standesamt bekam. Bis 1945 erreichte "Mein Kampf" in Deutschland eine Auflage von 9,8 Millionen Exemplaren. Die US-Militärregierung übertrug die Urheberrechte nach Kriegsende an den Freistaat Bayern, der seitdem eine Neuveröffentlichung verhindert.
Die Urheberrechte laufen Ende 2015 aus.

(dpa)
 
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