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Enthüllungs-Autor
Kanzlerin ehrt Roberto Saviano für Engagement gegen die Mafia

Angela Merkel ehrt Roberto Saviano für Engagement gegen die Mafia
Für seinen Mut wurde Roberto Saviano gestern mit dem M100 Medien Award ausgezeichnet. Angela Merkel gratulierte ihm. FOTO: dpa, rhi fdt
Seine Waffe gegen die Mafia ist das Wort. Bücher. Texte. Artikel. Jetzt ist der italienische Enthüllungsautor Roberto Saviano auf der Medienkonferenz M100 von Bundeskanzlerin Angela Merkel ausgezeichnet worden - für seinen Mut im Kampf für die Meinungsfreiheit. Von Michael Bröcker, Potsdam

Der italienische Autor Roberto Saviano ist ein Mann, der mit der Angst leben muss - seit seinem Bestseller-Buch "Gomorrha. Reise in das Reich der Camorra", das vor zehn Jahren erschien und die Machenschaften der neapolitanischen Mafia öffentlich machte.

Der 41-Jährige muss bis heute seinen Wohnort regelmäßig wechseln, seine Mutter und sein Bruder mussten eine neue Identität annehmen, Freunde wandten sich von ihm ab, Airlines wollen ihn nicht befördern, Sicherheitskräfte begleiten ihn auf Schritt und Tritt. Saviano steht auf diversen Todeslisten der Mafia. Immer noch. Es ist der ewige Auftrag, den die Camorra-Gruppen für Verrat vorsehen. Dieser Auftrag erlischt nicht, so lange es die Mafia gibt. 

Saviano hatte sich nach dem Philosophie-Studium, mit 26 Jahren, getarnt als Hafenarbeiter in die Strukturen der Camorra eingegraben und seine Erkenntnisse darüber aufgeschrieben. Der Sohn eines katholischen Arztes und einer jüdischen Lehrerin wollte sich mit der Korruption, der tödlichen Gewalt in seiner Heimat nicht abfinden. Das Buch, für das Saviano zunächst keinen Verlag fand, wurde zum Bestseller, in 51 Sprachen übersetzt, als Kinofilm für den Oscar nominiert und als TV-Serie verfilmt. Doch sein Leben hat Saviano seither oft als "Hölle" bezeichnet und sein Buch bereut. Weil er im Unsichtbaren leben muss, im Schatten. Um zu überleben. 

Für seinen Mut wurde Roberto Saviano gestern mit dem M100 Medien Award ausgezeichnet. Der Preis wird im Rahmen der internationalen Medienkonferenz vergeben, zu der jedes Jahr 100 Meinungs- und Medienmacher aus Europa in Potsdam zusammenkommen. Er würdigt außergewöhnliche Kämpfer für die Meinungsfreiheit.

Bundeskanzlerin Angela Merkel, die persönlich zur Preisverleihung kam, lobte den Autor als "mutigen Einzelnen", als "Persönlichkeit, die Spuren hinterlassen hat". In seinem Werk kämen das Bekenntnis zu Europa und die Verdienste um die Pressefreiheit zusammen. Man müsse die Pressefreiheit immer wieder neu verteidigen, sagte Merkel, auch mit Verweis auf aktuelle Repressionen gegen Journalisten in der Türkei. 

Saviano betonte in seiner Rede, trotz der Drohungen weitermachen zu wollen. "Man kann Worte nicht aufhalten." Europas Medien hätten gerade in der krisenhaften Phase für Europa die Pflicht, aufzuklären und vor Missständen und Risiken zu warnen.

Saviano will also weiter Bücher schreiben, Artikel schreiben, aufdecken, aufklären. Tatsachen veröffentlichen, die, wie er selbst einmal sagte, "eigentlich jeder Polizist in Neapel auch kennt". Dass ihm Politiker zeitweise vorgeworfen haben, doch nur Werbung für die Mafia gemacht und Millionen mit seinen Büchern gescheffelt zu haben (ein gewisser Silvio Berlusconi etwa), ficht Saviano nicht an. Den Mut, sich so vehement und nachhaltig gegen die Mafia zu stellen, hatten und haben bis heute nur wenige. Zu wenige. Auch deshalb ist es wichtig, einen Mann wie Saviano immer wieder öffentlich zu ehren. 

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