RP-Serie "Das Jugendbuch": Anne Janssen: Ein Funken Leben
VON NICOLA BARDOLA - zuletzt aktualisiert: 11.02.2005 - 11:01Die 14-jährige Ich-Erzählerin Elise verliert bei einem Brand ihre Eltern und ihre Schwester. Von einem Tag auf den anderen steht Elise ohne Familie da. Das Mädchen steht unter Schock und versucht - zunächst ohne Erfolg -, sich ihrer Identität zu versichern. Von den Erwachsenen um sich herum fühlt sie sich als Sache behandelt.
Sie verschließt sich, kommt zu Pflegeeltern und in psychiatrische Behandlung. Langsam treten Zeichen zurückkehrender Normalität ein, beispielsweise eine fast schon erlösende Szene am Klavier, als Elise zum ersten Mal nach dem Unglück wieder spielt, oder ein Stadtbummel mit Schulfreundinnen. Auch der gleichaltrige Roland schlägt ein Loch in ihre Mauer, groß genug, um in ihre Welt einzudringen, in der sie sich verschanzt hatte. Elise stellt fest: „Selbst wenn die Zeit stehen bleibt, geht das Leben weiter.“
Erst gegen Ende erfährt der Leser, unter welchen Umständen die Eltern gestorben sind. Es gab einen Streit, bevor Elise mit einer Freundin ins Kino ging. Die Eltern waren böse auf Elise, und sie hatte nicht mehr die Möglichkeit, sich zu entschuldigen. Die Schuldgefühle und die Einsamkeit Elises kommen sprachlich in erstaunlicher Weise zum Ausdruck: Erinnerungen - eine erste unglückliche Liebe spielt eine Rolle - und die kaum erträgliche Gegenwart werden geschickt überblendet.
Geschrieben hat diese lakonische Prosa eine 14-Jährige. Das typische Teenagerpathos stört nicht so stark wie bei anderen Debüts junger Autoren, da es durch die extreme Thematik und durch eine konsequente, nahezu autistische Innenperspektive aufgefangen wird: starke Gefühle von einer Jugendlichen für Jugendliche.
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