Friedenspreis des Deutschen Buchhandels: Anselm Kiefer wird Frankfurt geehrt
zuletzt aktualisiert: 19.10.2008 - 14:52Frankfurt/Main (RPO). Anselm Kiefer hat den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhalten. Damit wird zum ersten Mal einem bildenden Künstler diese Ehrung zuteil. Der Maler und Bildhauer nahm die Auszeichnung am Sonntag in der Paulskirche in Frankfurt am Main entgegen.
Die verleihende Jury begründete die Vergabe an den 63-Jährigen Kiefer damit, dass Kiefer "im richtigen Moment" erschienen sei, "um das Diktat der unverbindlichen Gegenständlichkeit der Nachkriegszeit" zu überwinden. Die Buchmesse öffnete derweil am Wochenende ihre Tore für das Publikum. Am Samstag verzeichnete die Schau einen Rekord-Besucherandrang.
Bei der Preisverleihung verwies Laudator Werner Spies auf Kiefers Zugehörigkeit zu einer Gruppe deutscher Künstler, die sich als "Akteure einer für die Deutschen unentbehrlichen Auseinandersetzung mit Geschichte" verstehen. Kiefer sei es in seinen Werken darum gegangen, "die Verbrechen des Nationalsozialismus keineswegs als ein metaphysisches, unerklärliches Unheil darzubieten, sondern in einem aufdringlichen, beängstigenden Hier und Jetzt", sagte der Journalist und Kunsthistoriker. Kiefer habe, indem er diese unkomfortable Position bezogen habe, "sicherlich mehr als manch anderer für den Frieden getan".
In seiner Dankesrede erinnerte Kiefer an das Ende des Zweiten Weltkrieges. Eine "Stunde Null" habe es damals nicht gegeben. "Die Ruinen wurden schnell abgetragen, die gesprengten Bunker entsorgt." Nach dem Zusammenfall der beiden deutschen Staaten sei es "zur Wiederholung des Zuschüttens, des Verstopfens von leerem Raum" gekommen, sagte Kiefer.
Den mit 25.000 Euro dotierten Friedenspreis des Deutschen Buchhandels erhält laut Statut eine Persönlichkeit, "die in hervorragendem Maße vornehmlich durch ihre Tätigkeit auf den Gebieten der Literatur, Wissenschaft und Kunst zur Verwirklichung des Friedensgedankens beigetragen hat".
Zu den Preisträgern zählen unter anderem Albert Schweitzer, Hermann Hesse, Theodor Heuss, Max Frisch, Astrid Lindgren, Siegfried Lenz, Vaclav Havel, Jürgen Habermas und Orhan Pamuk. Der Preis wird seit 1950 alljährlich am Sonntag während der Frankfurter Buchmesse überreicht.
Dichtes Gedränge herrschte unterdessen auf dem Messegelände. Am Samstag seien genau 78.218 Besucher auf der Buchmesse gezählt worden, so viel wie nie zuvor an einem einzelnen Tag in der sechzigjährigen Messegeschichte, teilten die Veranstalter mit. Im Vergleich zum ersten Publikumstag im vergangenen Jahr war das ein Plus von acht Prozent.
Gastland der Literaturschau war in diesem Jahr die Türkei. Die nächste Buchmesse findet vom 14. bis 18. Oktober 2009 statt. Gastland ist dann China.
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum






