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"Asterix in Italien"
Auf ewig unschlagbar

Asterix in Italien - das neue 37. Band erscheint weltweit
FOTO: dpa, sab kde
Gallien. Das Epos geht immer weiter: Heute erscheint weltweit das 37. Asterix-Album - diesmal mit einem Wagenrennen quer durch Italien. Von Lothar Schröder

Alle seine Abenteuer beginnen mit diesen Einsetzungsworten: "Wir befinden uns im Jahre 50 v. Chr." Ein magischer Moment ist das, der die vielen Millionen Gefolgsleute des Asterix zu einer großen Gemeinde zusammenschweißt: Wir alle befinden uns in diesem Jahr, das seit nunmehr 37 Bänden partout nicht vergehen will und das auf der nächsten Seite des Comics parktisch wieder neu beginnen wird. Mit dieser Aura ist das 50. Jahr vor Christi Geburt in die Geschichte der Comic-Welt eingegangen.

Eine Geschichte, die aber nie vergeht, ist irgendwann Segen und Fluch zugleich. Segensreich scheint die Gewissheit zu sein, mit der seit mehr als einem halben Jahrhundert der Zaubertrank-gestärkte Gallier die Reihen römischer Soldaten lichtet, der befreundete Hinkelstein-Lieferant komplette Wildschweinrotten verköstigt, der Barde - von dem inzwischen sogar Listen seiner Kompositionen vorliegen - wüst misshandelt wird und desolate Piraten Album für Album versenkt werden.

Einer der beiden Asterix-Väter starb schon 1977

Ein statisches Epos. Und das ist sein Fluch. Weil es auch künftig immer so weitergehen muss, über den Tod hinaus. Einer der beiden Asterix-Väter - der Comicautor René Goscinny - starb schon 1977; und Albert Uderzo, inzwischen 90 Jahre alt, hat den Zeichenstift schon seit Längerem zur Seite gelegt. Es gibt mit dem Zeichner Didier Conrad und Jean-Yves Ferri seit drei Alben zwar glücklich gefundene Nachfolger, doch erfüllen sie vor allem die Rollen von Kopisten.

Weil sich am Strich nichts und an der Art des Humors im Grunde nur wenig ändern darf. Der Erfolg ist dann zwar garantiert - und die meisten Freunde von einst werden auch die Freunde von morgen sein. Doch ist die Statik dieses Epos mit aller Berechenbarkeit und ewigen Unbesiegbarkeit auch ein Manko: Entwicklungen sind praktisch verboten.

Selten konnte man das bisher so stark spüren wie im jüngsten Band, der auch schon mit seinem Titel Erinnerungen weckt. Denn erneut landet der gallische Held in Rom, der Ewigen Stadt, wenn auch nur durchreisend, da die unschlagbaren Freunde Asterix, Obelix und Idefix beim großen Wagenrennen durch Italien mitmachen. Gestartet wird in Modicia (das später, also heutzutage, Monza heißen und immer noch Wagenrennen veranstalten wird), die Ziellinie ist der Vesuv.

Auch reizende Prinzessinnen aus Kusch sind dabei

Der Grund aller Raserei: Der in die Kritik geratene Lactus Bifidus, seines Zeichens Leiter des römischen Verkehrswesens, hat sich dieses Event ersonnen, um den exzellenten Zustand der Fernstraßen beweisen zu können. Übrigens sind auch üble Straßenverhältnisse früher schon Thema eines Abenteuers gewesen; damals bereiste Asterix Spanien. Dass jetzt nach Teilnehmern aus dem ganzen Reich gesucht wird, erfahren unsere Gallier auf der Cebit, dem Jahrmarkt für "Celtisches Brauchtum und innovative Technik". Also ab nach Bella Italia.

Und das Feld der Wagenlenker ist erlesen: Auch reizende Prinzessinnen aus Kusch sind dabei, einem kleinen Königreich irgendwo südlich von Ägypten. Sie heißen (die anspielungsreichen Namen gehören gleichfalls zum Set des Autors) "Etepetete" und "Rakete". Dass sie Obelix einmal mehr mächtig erröten lassen, ist aber keine Zuwendung, die dem Muskelprotz geschuldet ist, sondern nur einer schnöden Verwechslung. An Action mangelt es bei diesem Rennen wahrlich nicht, vergleichbare Erlebnisse des Ben Hur nehmen sich dagegen wie die Abenteuer auf einem Verkehrsübungsplatz aus.

Wie immer gibt es viel Landestypisches: das Straßenwirrwarr von Siena, die schlecht zu befahrenen Wasserstraßen von Venedig (eine Stadt, die gerade erst entsteht), den Feierabendverkehr von Rom. Die Versuchung, den Ausgang zu verraten, ist nicht sonderlich groß, da sich das Ende ebenso denken lässt wie die Antwort darauf, wer sich eigentlich unter der Maske des favorisierten römischen Fahrers Caligarius verbirgt.

Das Album weist in keine gallische Zukunft

Dabei gab es in früheren Alben durchaus die Versuche, Asterix stärker mit den Themen unserer Zeit zu konfrontieren und zu spiegeln. Ein kleines Dorf, das für Großes stehen könnte. Mit Band 37 scheint man sich von solchen Wegen wieder verabschiedet zu haben. Es richtet sich an die Leser, die den listigen Asterix so lieben, wie er immer war.

Vermutlich wird auch "Asterix in Italien" wieder ein Erfolg werden. Das Album ist auch nicht wirklich schlecht, aber es ist auch nicht besonders gut, und neu und frisch schon mal gar nicht, "Asterix in Italien" ist der Sieg einer Kopie früherer Erfolge. Darum weist das Album auch in keine gallische Zukunft.

Gerade beim Comic scheint das auf noch längere Sicht nicht überlebensfähig zu sein. Aber vielleicht geschieht ja doch noch das Wunder, dass irgendwann ein Abenteuer mit den magischen Worten anhebt: "Wir befinden uns im Jahre 49. v. Christi ..."

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Quelle: RP
 
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