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Buch mit Kurzgeschichten berühmter Schriftsteller: Autoren engagieren sich im Kampf gegen Aids

zuletzt aktualisiert: 08.04.2005 - 08:59

New York (rpo). Die Idee ist einfach, aber sehr gut: Nadine Gordimer will sich mit einem Buch für den Kampf gegen Aids einsetzen. Die Literatur-Nobelpreisträgerin macht dies jedoch nicht im Alleingang. Sie kontaktierte befreundete Autoren und bat diese, sich mit Geschichten zu beteiligen. Viele bekannte Schriftsteller sagten zu. Das Ergebnis ist ein Erzählband mit dem Titel "Telling Tales". Der Erlös kommt der Aids-Prävention zu Gute.

Der Erzählband "Telling Tales" erscheint im Mai auch in Deutschland.  Foto: Picador
Der Erzählband "Telling Tales" erscheint im Mai auch in Deutschland. Foto: Picador

"Ich dachte, wenn sich Musiker zusammentun und singen können, um Geld für den Kampf gegen Aids aufzutreiben, dann können wir Schriftsteller uns hinsetzen und schreiben", erzählte Gordimer vor einigen Wochen in New York. Und sie konnte Schriftstellern wie Günter Grass, Gabriel Garcia-Marquez oder Salman Rushdie von ihrer Idee überzeugen. Herausgeberin des Buches, das in den USA bereits seit Dezember auf dem Markt ist und dort bereits mehrere zehntausend Mal verkauft wurde, ist die 81-jährige Gordimer. In Kürze erscheint der Band auch in Deutschland. 

Gordimer wurde 1991 mit dem Literatur-Nobelpreis ausgezeichnet. Die Südafrikanerin veröffentlichte Romane wie "July's Leute", "Die Geschichte meines Freundes" oder "Fremdling unter Fremden", in denen es um die Apartheid und ihre Folgen geht.

Südafrika ist von der Immunschwächekrankheit Aids besonders betroffen: Dort gibt es nach Schätzung des UN-Entwicklungsprogramm UNDP rund fünf Millionen Aidskranke oder -infizierte. Bei ihrem Besuch in New York, wo sie für "Telling Tales" warb, wies Gordimer insbesondere auf das Schicksal verwaister Kinder hin: In Johannesburg, erzählte sie, betreibe die Heilsarmee ein Hospiz für aidskranke Babys. "Sie leben dort, und sie sterben dort." Platz sei für etwa 30 Kleinkinder, die bereits bei der Geburt mit Aids infiziert und von der Mutter weggegeben worden seien. "Einige wurden von der Polizei auf öffentlichen Toiletten gefunden oder in Müllbehältern."

Das Geld, das "Telling Tales" einbringt, soll nach Gordimers Willen der südafrikanischen Aidshilfe-Organisation TAC zu Gute kommen, die sich in der Prävention engagiert sowie für angemessene medizinische Behandlung der Betroffenen. Alle Autoren, zahlreiche Verleger, Literaturagenten und Übersetzer haben auf ein Honorar verzichtet. In den USA haben große Buchhandlungen Spenden zugesagt.

21 Geschichten

"Telling Tales" enthält insgesamt 21 Geschichten. Salman Rushdie beispielsweise schreibt über Männer in Indien, die wegen der Mitgift heiraten, ihre Frau töten und erneut heiraten - wieder wegen der Mitgift. Der amerikanische Autor John Updike schreibt über die Angst eines Mannes im mittleren Alter vor Krebs. Der Nigerianer Chinua Achebe erzählt die Geschichte einiger Freunde, die ihre Erlebnisse aus dem Biafra-Krieg austauschen. Auch Margaret Atwood, Woody Allen, Arthur Miller, Amos Oz, José Saramago, Susan Sontag und Christa Wolf haben sich an dem Buch beteiligt.

Weltweit wird die Zahl auf 40 Millionen geschätzt; seit Entdeckung des Aidsvirus 1981 starben etwa 20 Millionen Menschen an der Immunschwächekrankheit. "Das Traurige ist, dass wir heutzutage die Mittel in der Hand hätten, um das Ausbreiten der Krankheit zu verhindern", erklärte Rushdie. Und John Updike sagte: "Das Schlimmste, was wir tun können, ist, so zu tun, als sei nichts."

"Telling Tales", Berliner Taschenbuch Verlag, ISBN 3-8333-0295-X, 256 Seiten, 9,90 Euro/18,10 SFr., erscheint im Mai

Quelle: ap

 
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