Kurz vorgestellt: Bastian Sick: Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod
VON SONJA KOLB - zuletzt aktualisiert: 27.01.2005 - 12:31Die Tücken der deutschen Sprache: Menschen kann man nicht evakuieren, sondern nur Häuser oder Dörfer, weil evakuieren, genau übersetzt, leer machen heißt. Wer weiß genau, wo ein Apostroph gesetzt werden muss, wo einer gesetzt werden kann und wo er verboten ist? Wo braucht es zwingend einen Genitiv, wo ist der Dativ sein Tod? Allen, die korrekt Deutsch schreiben und sprechen wollen, erklärt Bastian Sick dies alles und vieles mehr.
Und er tut es nicht etwa mit dem erhobenen Zeigefinger, sondern auf eine leichte, unterhaltende, manchmal komische Art. Unter dem Titel "Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod" sind seine wöchentlichen Kolumnen (Spiegel-Online) als Buch erschienen. In den 50 Kapiteln werden die gängigsten Irrtümer der deutschen Sprache erläutert. Der Genitiv führt zwar einen Überlebenskampf. Aber manchmal macht der Genitiv auch dem Dativ den Platz streitig. Da heißt es doch allenthalben: entgegen des Vorschlags, oder gemäß des Protokolls - hier wäre der Dativ zwingend. Aber es heißt: statt des, trotz des, infolge des, dank des usw.
Der leidige Apostroph ist ein weiteres Kapitel: lang ist's her, dass das Häkchen einfach das Wörtchen "es" ersetzte. Nun wird es fälschlicherweise auch für den Genitiv gebraucht: Helga's Bar, Rudi's Bierschwemme. Und der letzte Schrei: Nicht nur die korrekten Pluralformen gehen verloren und werden oft durch das im Englischen gebräuchliche S ersetzt. Nun wird dieses S auch noch mit Apostroph abgetrennt: Im Laden kauft man Kiwi's und im Fernsehen wird man mit Info's bombardiert.
Nicht nur Grobes, auch Spitzfindiges beschreibt Sick: Wann heißt es Streit um etwas, wann jedoch Streit über etwas? Warum heißt es Mordsspaß, aber Mordopfer, Rindsleder, aber Rindfleisch? Der Regeln sind viele. Sie werden jeweils am Ende der Kapitel übersichtlich aufgelistet. Und: Rechtschreibreform hin oder her - gewisse Werte bleiben. Sie sind in diesem Buch kurzweilig und unterhaltend beschrieben. Und weil niemand gegen Irrtümer gefeit ist, ist es ein Muss für alle, die Wert legen auf ein korrektes und gepflegtes Deutsch.
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