"Mutter des Erfolgs": Chinas Pädagogen kritisieren Chua-Buch
VON JOHNNY ERLING - zuletzt aktualisiert: 10.02.2011 - 20:32Düsseldorf (RP). Auch in China sorgt Amy Chua für Schlagzeilen. Aber anders, als es sich der Westen vorstellt, üben die meisten Pädagogen, Lehrer und viele Eltern Kritik an Chuas Erziehung. Denn in China wächst die Ablehnung gegen den Einpaukdrill des eindimensionalen chinesischen Schulsystems.
Immer mehr modern denkende Chinesen wollen über Reformen aus der als Sackgasse empfundenen, nur auf Bestnoten bei Prüfungen ausgerichteten Ausbildung heraus.
Sie verstehen daher auch nicht den Hype im Westen um die selbstverständlich erfolgreichen Shanghaier Schüler bei den Pisa-Tests oder um das Buch von Amy Chua.
Vor allem verstehen sie nicht, wie Chinas nach dem Chaos der Kulturrevolution wiederhergestelltes Eliten-Ausbildungssystem, das neben der Schule durch den Druck der Einkind-Familie auch noch über die Eltern verschärft wurde, vom Westen als Erklärung für den Aufstieg Chinas betrachtet wird.
"Während wir zum Konsens kommen, dass unsere Knüppelerziehung keine Zukunft hat, wird diese von außen gelobt", empören sich Dutzende renommierter Pädagogen.
Das Ziel erfolgreicher Ausbildung müsse zu selbstständigen, selbstbestimmten und innovationsfähigen Bürgern führen. Das sieht auch Erziehungswissenschaftler Yang Dongping (61) so.
Kritische Chinesen haben den Namen von Amy Chua und deren Erziehungsstil zu einem Wortwitz verarbeitet, den die von der Nachrichtenagentur Xinhua herausgegebene Zeitschrift "Herald" vorstellt: Fragt eine Mutter die andere: "Bist du auch so eine Amy-Chua-Mutter?" – "Ja ich amychuae meine Kinder." – "Sammle schon mal Geld, um die Spätfolgen zu bezahlen."
- RP ONLINE
- Kontakt
- AGB
- DATENSCHUTZ
- Impressum


