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"Hello Camel"
Fotograf zeigt die skurrilen Seiten des Krieges

Wie Christoph Bangert den Krieg erlebt hat
Wie Christoph Bangert den Krieg erlebt hat FOTO: dpa, ve kde
Köln. Der Kölner Fotograf Christoph Bangert hat absurde Momente des Krieges festgehalten und in einem Buch veröffentlicht. Mit seinen Bildern möchte er auf amüsante Weise zeigen, wie sinnlos und chaotisch die weltweiten Konflikte sind. Von Marcel Romahn

Vermutlich haben die Soldaten kurz zuvor oder danach laut "Camels!" gerufen – wie so oft, wenn sie hinter einer Mauer oder dem nächsten Hügel zunächst Feinde vermutet haben, dann aber doch nur auf die Vierbeiner stießen. Und genau diese Szene, die sich nahe der syrischen Grenze abgespielt hatte, hat Christoph Bangert vor etwa elf Jahren im Irak festgehalten.

Nun ist dieser Moment auf dem Titel des Buches zu sehen, das der Kriegsfotograf aus Köln im Juni veröffentlicht hat. Die Fotos in dem Buch "Hello Camel" zeigen absurde, komische und damit auch befremdliche Situationen des Krieges.

Auch das Bild einer improvisierten Toilette der Bundeswehr nahe des Kriegsschauplatzes mitten in der Wüste Afghanistans soll ein Beispiel dafür sein, dass selbst ein Krieg lustige Eindrücke hervorbringen kann. "Ich habe noch nie so doll gelacht wie im Krieg", schreibt Bangert im Vorwort. Im Gespräch mit unserer Redaktion spricht der 38-Jährige jedoch auch über den ernsten Hintergrund seiner Arbeit.

Ratlose Eindringlinge

Seit er für einen Foto-Austausch während seines Studiums nach Jerusalem fuhr, reist Bangart immer wieder in die Krisengebiete dieser Welt, nach Palästina, Afghanistan, in den Irak. Dort sind die Aufnahmen in "Hello Camel" zwischen 2003 und 2013 entstanden. Dort hatte er etliche skurrile Momente erlebt - Augenblicke der Gefahr, der Desorientierung, des totalen Chaos. "Regierungen schicken junge Soldaten in fremde Länder und hoffen auf das Beste", sagt Bangert. "Doch sie sind Eindringlinge, die das Land nicht verstehen. Sie können sich größtenteils nicht richtig mit den Einheimischen verständigen und stehen ratlos inmitten einer völlig fremden Umgebung."

Sein Buch solle deshalb vor allem eines ausdrücken: "Kriege und Besatzung funktionieren nicht." Lustig machen will sich Bangert keineswegs über den Krieg, er will ihn auch nicht beschönigen. "Es sind furchtbare Ereignisse, die das Schrecklichste in den Menschen hervorbringen", sagt er.

Auf seinen Reisen in Krisengebiete sah sich Bangert auch selbst schon oft in gefährlichen Situationen. "Zwar ist das alles nicht so gefährlich, wie es uns Kriegsfilme gerne weismachen wollen, aber oft wurde es schon sehr haarig", sagt er. "Im Detail möchte ich aber lieber nicht darüber reden."

Auch die Angst vor Entführungen oder Attentaten durch Terroristen waren seine ständigen Begleiter. "Als Journalist ist man dort immer im Visier", sagt der Fotograf. "Das darf man auch nicht verharmlosen. Aber der Punkt ist doch: Wir gehen irgendwann auch wieder. Die Bevölkerung muss bleiben und die Schrecken dauerhaft ertragen."

Bilder des Grauens

Schon vor zwei Jahren hat der 38-Jährige dem Krieg ein Buch gewidmet. Im kleinformatigen "War Porn" (Deutsch: "Kriegspornografie") zeigt er einen Toten, der auf einer Müllkippe liegt. Einen Schwerverletzten, der in einem Krankenhaus in Bagdad darauf wartet, in eine andere Klinik zu kommen. Oder einen blutüberströmten Mann, um den sich Soldaten kümmern.

"Es ist ein aufwühlendes Buch. Man klappt es auf und will es sofort zuklappen. Aber zu spät. Da sind die Fotos schon reingeknallt in den Kopf, und dort bleiben sie", schrieb die "taz" darüber. Bangert selbst sagte "Zeit Online": "Niemand will diese Fotos sehen." Aber für ihn sei es unmoralisch, solche Situationen nicht zu fotografieren. "Das Ereignis ist das Schlimme, die Bilder sind nichts."

mit Agenturmaterial

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