LitParade: Cornelia Funke: Tintenherz
zuletzt aktualisiert: 17.02.2004 - 16:10Viele Geschichten, das weiß man, stecken voller Schurken. Alles kein Problem, solange diese Gruselgestalten hübsch zwischen den Buchdeckeln bleiben. Diesmal ist es aber anders, denn Meggies Vater, der Buchbinder Mortimer Folchart, kurz Mo, ist ein magischer Vorleser. Und was der vorträgt, kann schon mal seinen Weg aus den Büchern herausfinden und in der wirklichen Welt für Angst und Schrecken sorgen.
Aber nicht nur das: Auch in der Märchenwelt ist anscheinend nichts umsonst, und so wandert für jede herausgelesene Figur als Gegenleistung ein Mensch oder ein Gegenstand ins Buch hinein. Auf diese Weise hat Meggie vor einigen Jahren ihre Mutter verloren - hineinbugsiert ins 7. Kapitel eines geheimnisvollen Buches. „Tintenherz“ heißt es, weil es von jemanden handelt, dessen Herz schwarz vor Bosheit ist.
Dieser Jemand ist Capricorn, der mit diversen anderen Gestalten - darunter auch Staubfänger mit seinem Marder-ähnlichen Tier Gwin - „Tintenherz“ entsprungen ist. Eine heikle Sache, zumal Capricorn Mo und Meggie erbarmungslos jagt, schließlich will er noch dies und das aus diversen anderen Büchern herausgelesen haben, vor allem Gold und andere Schätze. Die Welt der Literatur wird eine einzige Selbstbedienungsbude.
Und ein Entrinnen gibt es nicht, denn Capricorn überlebt am Ende des Romans „Tintenherz“ und ist somit in der Wirklichkeit praktisch unsterblich. Fenoglio ist also der letzte Retter. Er hat vor vielen Jahren „Tintenherz“ geschrieben. Und er muss nun in größter Not das Ende umschreiben. Zwischen den Buchwelten wimmelt es von Feen und Kobolden, von bösen und guten Romanfiguren. Darum ist „Tintenherz“ so dick - weil (fast) die ganze Welt in ihm steckt. Wer Abenteuer sucht, sollte es lesen; aber: Bloß nicht vorlesen!
Von LOTHAR SCHRÖDER
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