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Buchtipp
Robinson Crusoe auf dem Mars

Der Marsianer: Robinson Crusoe auf dem Mars
FOTO: Heyne Verlag
Düsseldorf. Das Tagebuch eines auf dem Mars zurückgelassenen Sarkastikers wurde sensationell zum Bestseller. Mit Matt Damon in der Hauptrolle kommt "Der Marsianer" nun sogar ins Kino. Zu Recht. Von Tobias Jochheim

Es gibt zwei Arten von Menschen: Die einen lieben das Genre Science-Fiction, die anderen hassen es. "Der Marsianer" ist ein Buch für beide.

Welten, Wesen und Maschinen aus der Fantasie, im Film dann aus Plastik und Pappmaché, sind am Besten, wenn sie nicht Selbstzweck sind, sondern als Hintergrund dienen für Geschichten über Identität und Fremdheit, das Kämpfen und Frieden schließen wie etwa bei "Star Wars" und "Star Trek". In "Der Marsianer" geht der US-Autor Andy Weir weiter. Er verzichtet komplett auf Laser, Außerirdische und hyperintelligente Roboter. Sein Buch spielt nur wenige Jahre in der Zukunft, setzt vor allem auf "Science" und kaum auf "Fiction". Dröge ist es deshalb nicht, im Gegenteil.

Den größten Teil des Romans machen die Tagebucheinträge von Mark Watney aus, der als einer der ersten Menschen auf dem Mars landete, aber nach einem Sandsturm totgeglaubt zurückgelassen wird. Vier Jahre lang. Entsprechend liest sich der erste Satz des Romans: "Ich bin so was von im Arsch." Und, weil Watney Astronaut ist, also Kopfmensch, der zweite: "Das ist meine wohlüberlegte Meinung."

Autor Andy Weir ist überrascht vom Erfolg seines Debütromans, der schon verfilmt worden ist – von Ridley Scott und mit Matt Damon in der Hauptrolle. FOTO: Andy Weir

Auf den folgenden 500 Seiten berichtet er in Tagebucheinträgen von seinem Kampf um die Menge an Sauerstoff, Wasser, Nahrung und Strom, die er zum Überleben braucht – Funkkontakt zur Erde oder gar eine Rückkehr dorthin sind erst einmal ein ferner Traum.

"Gravity" trifft "Bernd das Brot" – mit Realismusgarantie von echten Astronauten

Mit beißendem Sarkasmus sinniert Watney darüber, ob er wohl erstickt, verdurstet, verhungert, erfriert oder explodiert. Sein trockener Humor ist nicht Nerd-spezifisch: "Morgen spiele ich mit Starkstrom herum. Undenkbar, dass dabei irgendetwas schiefgehen könnte."

Curiosity schickt ein Selfie vom Mars FOTO: dpa, uw

So mischt sich eine gute Portion Fatalismus à la "Bernd das Brot" in den Ton des Romans, dessen Grundidee, ins Absurde übersteigert, schon 2000 die Webvideoserie "The Lonely Astronaut" trug:

Inhaltlich ist das Buch zwischen "Robinson Crusoe", und "Gravity" angelegt, dabei aber so realistisch wie die Quasi-Doku "Apollo 13". Dafür bürgt der echte Astronaut Chris Hadfield.

Bilder aus dem All geben Rätsel auf FOTO: Nasa

Was der Botaniker und Mechaniker Mark Watney ("Im Grunde bin ich der Reparaturtrupp, der außerdem gut Blumen gießen kann") tut, um zu überleben, hat Hand und Fuß. Dass es ihm einfällt und dass er damit meist auch Erfolg hat, liegt nahe. Astronauten sind überragende Problemlöser, zudem steht Watney einerseits unter genügend großem Leidensdruck, um sein Potenzial abzurufen und hat andererseits alle Zeit der Welt, um Pläne zu schmieden, auf Schwachstellen abzuklopfen, zu verfeinern oder zu verwerfen. Außerdem hat er ausgefeilte Hilfsmittel: "Klebeband funktioniert überall. Klebeband ist Magie und sollte angebetet werden."

Schief geht dennoch genug, denn Watney erkennt: "Leider sind die physikalischen Gesetze ein elender Haufen von Halunken." Bevor sich dieses Hin und Her erschöpft, ergibt sich eine völlig neue Dynamik durch Kontakt zur Erde sowie zu Watneys alter Crew, die darauf brennt, ihm zu helfen. Dabei sorgen die Häppchenform und der Ton dafür, dass "Der Marsianer" trotz seines teils harten wissenschaftlichen Stoffs stets federleicht lesbar bleibt.

Die Hauptrolle im Film wird Matt Damon spielen

Das Buch stammt von Andy Weir, Anfang 40, Sohn eines Teilchenpysikers, Programmierer und selbsternannter Nerd. Sein Hauptcharakter sei "klüger und mutiger als ich", sagte er. "Aber er ist ein Klugscheißer vor dem Herrn – und das deckt sich mit meiner Persönlichkeit." Bei Facebook schreibt Weir: "Während der Apollo-Missionen dachten alle, wir würden im Jahr 1990 auf dem Mars sein. Bis 2050 könnte es wohl tatsächlich klappen." Und weil nur erfahrene Astronauten für diesen Trip in Frage kämen, vermutet Weir: "Der erste Mensch, der einen Fuß auf den Mars setzen wird, lebt schon unter uns. Ich frage mich, was er gerade tut."

Seinen Debütroman hatte Weir zunächst 2012 im Selbstverlag veröffentlicht. Die Begeisterung des Publikums führte zu Veröffentlichungen in 30 Sprachen. Am 8. Oktober soll ein Kinofilm erscheinen, gedreht von Regielegende Ridley Scott ("Alien", "Blade Runner") und mit Matt Damon in der Hauptrolle.

 

Fans herkömmlicher, abseitigerer Science-Fiction sei übrigens der Film "Robinson Crusoe on Mars" empfohlen (im Deutschen meist: "Notlandung im Weltraum"). Der Low-Budget-Film von 1964 überträgt die Geschichte von Robinson Crusoe mit heiligem Ernst auf den Mars. 1:1. Nur eben mit Aliens.

Die klügere, die Fantasie mehr anregende, vor allem aber schlicht unterhaltsamere Alternative ist "Der Marsianer".

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