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Erzieher, Lehrer und Nannys über Helikopter-Eltern

Ehrgeizig und ängstlich - Helikopter-Eltern müssen ihren Nachwuchs überall behüten und bevormunden. Dass der Umgang mit ihnen nicht immer leicht ist, wissen vor allem Erzieher, Lehrer und Nannys. Sie plaudern in einem neuen Buch aus dem Nähkästchen. Gesammelt haben die Anekdoten die beiden Autorinnen Lena Greiner und Carola Padtberg. Das Buch "Verschieben Sie die Deutscharbeit - mein Sohn hat Geburtstag" ist im Oktober 2017 im Ullstein-Verlag erschienen. Hier lesen Sie die 20 peinlichsten Momente mit Helikopter-Eltern. 

Erzieher, Lehrer und Nannys über Helikopter-Eltern

Die Optimierung des eigenen Kindes fängt oft schon vor der Geburt an - nämlich mit der Wahl des richtigen Namens. 

"Sie wollte das Kind Emil nennen, er war für Friedrich. Der Vater setzte sich dann durch mit dem Argument: 'Emil heißt kein Abteilungsleiter!' Gleichzeitig wurde dem Bekanntenkreis noch vor der Geburt des kleinen Friedrich eingeschärft, dass sie den Kontakt zu den Leuten abbrechen würden, die es wagten, den Kleinen Fritz zu nennen." 

Erzieher, Lehrer und Nannys über Helikopter-Eltern

Eine Hebamme erzählt: 

"Ich erhielt von einer Erstgebärenden in der 33. Schwangerschaftswoche eine Anfrage zur Nachsorgebetreuung. Ich hatte noch Kapazitäten frei und schlug wie üblich vor, einen Kennenlerntermin zu vereinbaren, der von der Krankenkasse bezahlt wird. Ihre Antwort kam zügig: Erst einmal soll ich ein Bild von mir per Mail schicken, denn ihr Kind hätte einen Anspruch auf Ästhetik, und zwar vom ersten Lebenstag an. Ich habe der Dame dann mitgeteilt, dass wir uns nicht auf dem Mailänder Laufsteg befinden, und abgesagt."

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Manieren sind nicht jedermanns Sache, wie eine Erzieherin erzählt: 

"Wir hatten einen Jungen in der Einrichtung, der jeden beleidigen durfte, auch uns Erwachsene und seine Eltern. Ich sprach die Eltern darauf an. Der Vater antwortete: 'Mein Junge wird später einen Chefposten haben, da muss er auch auf niemanden hören.'"

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Manche Eltern hören einfach ganz auf, ihren Nachwuchs zu erziehen . Ein Kita-Mitarbeiter erzählt von einem Gespräch mit einem Elternpaar:

"'Wir würden als Eltern nie gegen unseren Luis argumentieren, denn das wäre ja unfair zwei gegen einen.' Deswegen müsste immer einer auf der Seite von Luis stehen. Also sagen wir lieber gar nichts, dann gibt es auch keinen Streit unter uns."

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Und auch an die Ernährung der Kinder werden höchste Ansprüche gestellt - sie werden von Geburt an zu Gourmets erzogen: 

"Wir hatten kürzlich einen Vater, der jeden Tag, wenn er das Kind brachte, den ausgehängten Essensplan abfotografiert hat. Er hatte nämlich den Auftrag, die Kindesmutter per WhatsApp über die bestellten Speisen des jeweiligen Tages zu informieren. Sie wollte nicht Gefahr laufen, ihrem Anderthalbjährigen am Abend etwas Ähnliches zu kochen." 

 

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Die Angst, dass ihrem Kind etwas passiert, ist bei Helikopter-Eltern allgegenwärtig: 

"Eine Mutter sagte uns Erziehern, dass ihre anderthalbjährige Tochter bei Ausflügen auf den Spielplatz stets ihren Schnuller benutzen solle. Damit der Kleinen keine Biene in den Mund fliegt."

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Helikopter-Eltern können nichts dem Zufall überlassen - das zeigt die Schilderung einer Kindergärtnerin: 

"In unserer Kita betreuen wir einen Jungen, der bei uns wahrscheinlich nie sein großes Geschäft machen wird - weil seine Eltern nicht zur Stelle sind. Er fordert, dass wir sie anrufen, damit sie ihm den Po abwischen."

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Eine harmlose Erkältung wird zur Lungenentzündung, eine Unverträglichkeit zur Zöliakie - Helikopter-Eltern übertreiben gerne:

"Ich saß im Wartezimmer eines Arztes, neben mir eine Mutter mit einem ungefähr dreijährigen Kind. Als ich in der Zeitung blätterte, bat mich die Mutter darum, dies nicht so heftig zu tun, da sich ihr Kind bei dem Luftzug sonst erkälten würde."

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Ist das Kind erstmal eingeschult, ist der Weg zur Schule für die Eltern oft schwerer zu bewältigen als für das Schulkind. Helikopter-Eltern müssen ihr Kind überall hinbegleiten - mit unangenehmen Folgen. Eine Lehrerin berichtet über den Vorschlag eines Vaters in der Elternratssitzung:

"Bei dem Verkehrschaos hier morgens vor der Schule stelle ich den Antrag, dass wir auf dem Lehrerparkplatz eine Aus- und Einsteigespur für Schüler einrichten."

 

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Am liebsten bringen Eltern ihre Kinder mit dem SUV zur Schule, eine Mutter berichtet von einer Elternratssitzung, in der dieses Thema diskutiert wurde:

"Wir wohnen sehr ländlich, mit einer kleinen, beschaulichen Grundschule. Bei einem Elternabend bat die Klassenlehrerin, nicht auf den Schulhof zu fahren  und die Kinder nicht direkt an der Tür aussteigen zu lassen, da dies alle Kinder gefährdet. Unser Schulhof ist ungefähr 15 mal 15 Meter groß. Daraufhin entbrannte eine hitzige Diskussion. Jedoch nicht - wie zu erwarten - über die übertriebene Fürsorge mancher Eltern. Nein, es wurde diskutiert, wie man am besten Parkplätze auf dem Schulhof einzeichnet."

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Manche Helikopter-Eltern können sich sogar dazu durchringen, ihre Kinder mit dem Fahrrad zur Schule zu schicken - allerdings nur unter erhöhten Sicherheitsvorkehrungen: 

"Meine Tochter ist 13 Jahre alt und fährt jeden Tag mit dem Rad zur Schule. Auf dem Weg trifft sie immer mal wieder eine Freundin aus der Grundschulzeit. Diese darf nicht allein mit dem Rad zur Schule fahren. Gehen darf sie allein. Wenn sie mit ihrer Mutter zur Schule fährt, muss sie nicht nur einen Helm tragen, sondern auch einen Rückenprotektor, wie man ihn vom Skifahren und Reiten kennt."

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Auch kurze Wege sind gefährlich: 

"Ein Nachbar fährt seinen zehn Jahre alten Sohn jeden Morgen mit dem Auto zur Schule, die 150 Meter entfernt in der Nebenstraße liegt. Der Grund: Der Junge müsste eine Straße überqueren."

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Seine Kinder zur Schule zu bringen, das kann ja jeder. Echte Helikopter-Eltern bringen die Kinder bis zum Eingang oder bis vors Klassenzimmer: 

"Regelmäßig fällt mir eine Mutter auf, die die Schulranzen ihrer zwei Töchter bis vors Schulhaus trägt. Eines Tages - die beiden sind schon in der zweiten und vierten Klasse  - spreche ich sie humorvoll darauf an: 'Was für ein Komfort für die Kinder, dass die Mama die Ranzen trägt!' Sie entgegnet fassungslos und ernst: 'Die Kinder sind am Morgen noch so müde, dass sie ihre Ranzen unmöglich allein tragen können."

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Nicht alle Eltern können sich bei ihrem Nachwuchs durchsetzen und schieben die Verantwortung lieber anderen zu, wie diese Anekdote von einem Elternabend der 9. Klasse eines Gymnasiums zeigt: 

"Wir möchten euch bitten, darauf zu achten, dass eure Kinder nachts keine WhatsApp-Nachrichten mehr schicken. Unser Junge kann nicht schlafen, wenn das Handy dauernd piept und er immer lesen muss."

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Manche Eltern verlangen, dass sich die Schule nach den Freizeitaktivitäten zu richten hat, wie manch ein Lehrer berichtet: 

"Da wir am Freitag an die Ostsee fahren, informieren wir Sie darüber, dass unsere Zwillinge nicht zur Schule kommen. Unsere kleine Tochter soll im Auto schlafen, wir möchten unseren ersten Urlaubstag genießen können, und das geht nur, wenn wir so losfahren, dass das Kind Mittagsschlaf im Auto hält."

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Um keine Entschuldigung verlegen, wie ein Lehrer erzählt: 

"Relativ am Anfang des Sommerhalbjahres stand ein Französischtest in der 8. Klasse an. Er ging vor allem um Wiederholungen aus dem letzten Halbjahr. Am Tag der Tests erhielt ich eine E-Mail von einer Mutter. Darin bat sie mich, den Prüfungstermin zu verschieben - ihr Sohn habe sein Französischbuch übers Wochenende in der Schule vergessen und sich deshalb 'nicht adäquat auf den Test vorbereiten können'. Den Termin für die gesamte Klasse verschieben? Das habe ich natürlich nicht gemacht und sie darauf hingewiesen, dass wir in der vergangenen Woche bereits ausreichend für die Prüfung geübt hätten und die Termine nicht zu ändern seien. Weite E-Mails erhielt ich nicht mehr. Die Schulleitung aber schon."

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Geburtstagsfeiern werden zum Event für die ganze Klasse, nach dem sich auch der Unterricht zu richten hat: 

"Eines Mittags erhielt ich eine E-Mail von einem Vater, sein Sohn habe demnächst Geburtstag und für diesen Tag die halbe Klasse zu einer Feier eingeladen. Nun gebe es leider ein Problem: Am Tag darauf werde ja die Deutscharbeit geschrieben. Die könne man doch getrost verschieben. Sonst sei die Laune des Geburtstagskindes und der Gäste - also der gesamte Geburtstag - verdorben. Ich antwortete freundlich, dass so etwas nicht möglich sei. Wenige Stunden später rief mich die Elternvertreterin an - mit just demselben Anliegen."

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Das eigene Kind ist eben der Nabel der Welt: 

"Unsere Grundschule beginnt um 8 Uhr. Um zwanzig vor acht rief mich eines Tages eine Mutter an: 'Frau XY, was unterrichten Sie in der ersten Stunde?' - 'Warum wollen Sie das wissen?' - 'Ja, mein Kind schläft noch, soll ich es wecken?'"

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Und Lehrer sind in den Augen mancher Eltern Dienstleister: 

"Ich rief eine Mutter an, deren Kind während der Schulzeit so krank geworden war, dass es abgeholt werden musste. Ihre Reaktion: 'Können Sie nicht mit ihr zum Arzt gehen? Ich habe keine Zeit.'"

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Natürlich ist jedes Kind in den Augen seiner Eltern hochbegabt - oder doch nicht? 

"Mutter: 'Nur damit Sie Bescheid wissen. Wir haben unseren Sohn testen lassen: Er steht an der Grenze zu ADHS.'

Lehrkraft: 'Hat er ADHS?'

Mutter 'Nein, aber er steht auch an der Grenze zur Hochbegabung.'

Lehrkraft: 'Ist er hochbegabt?'

Mutter: 'Nein.'"