Rosamunde Pilcher: Die Königin des Schmökers wird 85 Jahre alt
VON BRITTA KRAUSS - zuletzt aktualisiert: 22.09.2009 - 08:43Longforgan (RP). Die britische Autorin von Liebesromanen hat weltweit mehr als 60 Millionen Bücher verkauft. Die Verfilmungen ihrer Werke sehen im Durchschnitt rund sechs Millionen Zuschauer. Literaturkritikern gibt ihr großer Erfolg Rätsel auf.
Die Königin der Romantik hat vier Kinder und 14 Enkel, lebt in Schottland und hat nach eigenen Angaben keine Träne vergossen, als ihr Mann nach 62 Jahren Ehe an Herzversagen starb. "Ich bin keine Heulsuse", sagte Rosamunde Pilcher im Frühjahr. Die Frau, die Romane schrieb wie "Liebe gegen den Rest der Welt", "Wilder Thymian" und "Entscheidung des Herzens" gibt sich in Interviews gerne sachlich. Sie sei die "falsche Ansprechpartnerin, wenn es um Gefühle geht", sagte sie einmal auf die Frage nach dem Glück. Heute feiert die britische Bestsellerautorin ihren 85. Geburtstag.
In ihren Romanen schreibt "Ros", wie die Nachbarn in ihrem Wohnort Longforgan sie nennen, über große Gefühle, über gebrochene Herzen und intime Geheimnisse. An der wildromantischen Küste Südenglands lässt sie ihre Romanfiguren geballtes Herzeleid durchleben. Natürlich nur, um ihnen am Schluss ein Happy End zu bescheren. Denn das glückliche Ende und die heile Welt gehören genauso zu einem Pilcher-Roman wie ihre Heimat Cornwall, niedliche Cottages, grüne Hügel und Menschen, die sich zum Nachdenken auf die Klippen über dem tosenden Meer zurückziehen.
Statt um "Sex and Crime" geht es in ihren Geschichten um Werte wie Moral, Anstand und Freundschaft, statt künstlicher Helden gibt es gewöhnliche Menschen. Und das Rezept geht auf: Über 60 Millionen Bücher hat Rosamunde Pilcher weltweit verkauft, im Durchschnitt sehen rund sechs Millionen Deutsche die Verfilmungen im ZDF. Der Sender hat sich die Weltrechte an dem Pilcher-Stoff gesichert. Und zwar nicht ohne Grund: Nirgendwo sonst sind die Liebesromane und -filme so beliebt wie hierzulande.
Für viele scheint die sonntagabendliche Herzschmerz-Geschichte wie eine kurze Flucht aus der grausamen Realität. Raus aus dem Alltag und hinein in das südenglische Idyll, wo Probleme lösbar sind und das Gute immer siegt. "Schön", finden die einen, "furchtbarer Kitsch", meinen die anderen. Bei Literaturkritikern findet das Werk der Britin selten Gnade. Stattdessen wird gerätselt, worin das Geheimnis des Erfolgs liegt. Pilcher selbst, die ihre Schreiberkarriere im Jahr 2000 beendete, schloss es für sich selbst immer aus, "eine Literatin" zu sein. "Leichte Lektüre für intelligente Damen" nannte die vierfache Mutter ihr Werk einmal.
Bereits mit 18 Jahren veröffentlichte sie in einer Frauenzeitschrift ihre erste Kurzgeschichte. Sie hatte sie während ihres Kriegsdienstes 1942 auf Sri Lanka geschrieben. Dort saß sie in der Schreibstube oder schrubbte U-Boote. Nach ihrer Rückkehr nach Cornwall lernte sie den Offizier und Jutekaufmann Graham Pilcher kennen, den sie 1946 heiratete. Neben ihrer Tätigkeit als Hausfrau und Mutter besann sie sich schließlich wieder auf ihre schriftstellerischen Ambitionen und veröffentlichte unter dem Pseudonym "Jane Fraser" mehrere Kurzgeschichten.
Der internationale Durchbruch als Schriftstellerin gelang ihr aber erst 1987 im Alter von 63 Jahren mit dem Roman "Die Muschelsucher". Heute gehört sie zu den erfolgreichsten zeitgenössischen Autorinnen der Welt; es gibt Pilcher-Bettwäsche mit Rosenmuster und Rundreisen zu Drehorten in Cornwall. Sie hat der Region zu einem solchen Tourismusboom verholfen, dass die Britische Tourismusbehörde sie mit einem Preis auszeichnete. Momentan verhandelt Pilcher angeblich mit dem ZDF über weitere TV-Vorlagen.
Warum die Britin damals überhaupt mit dem Schreiben von Liebesromanen anfing? Nicht etwa weil sie so romantisch veranlagt ist, sondern "weil es nach dem Krieg einen enormen Markt dafür gab".
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