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Buchhandel
Die Leselust der Deutschen sinkt

Fotos: Kindle Voyage und Kindle Fire HDX vorgestellt
Fotos: Kindle Voyage und Kindle Fire HDX vorgestellt FOTO: ap
Frankfurt/M.. Eine umfassende Untersuchung der Buchbranche hierzulande zeigt: Auch E-Books sind nicht mehr der große Hoffnungsträger der Literatur. Ihr Anteil am Gesamtmarkt beträgt gerade einmal 4,3 Prozent. Von Lothar Schröder

Seit den geflügelten Worten des Dichters Johann Karl August Musäus (1735-1787) wissen wir Deutschen, dass wir im Land der Dichter und Denker sind. Ob wir aber wegen dieser hehren Betitelung auch im Land der Bücher wohnen, erweist sich in den jährlichen Wirtschaftszahlen der Branche.

Das ist unprosaisch, aber schonungslos. Nach der jüngsten, gut 150 Seiten umfassenden Erhebung des Börsenvereins des deutschen Buchhandels sieht es noch nicht bedenklich aus. Doch stimmt es nachdenklich, wenn das Bücherlesen in der Hitparade unserer Freizeitbeschäftigungen von der Gartenarbeit überholt wurde und aktuell auf Rang 14 ist.

Das Klagen darüber ist erlaubt, doch bleibt es ein Jammern auf beträchtlichem Niveau. Um ein Land, in dem allein im vergangenen Jahr knapp 74.000 neue Bücher erschienen sind – darunter 8142 Kinder- und Jugendbücher –, kann es intellektuell nicht so schlimm bestellt sein. Dennoch: Es sind zehn Prozent weniger als noch ein Jahr zuvor.

Der Befund zur Lage des Lesens und der Buchkultur hierzulande bleibt diffus. Nach wie vor lesen Jungen weit weniger als Mädchen – bei der täglichen Lektüre betragen die Anteile zwölf und 21 Prozent –, dementsprechend zählen auch Männer eher zu den Lesemuffeln. 67 Prozent der Frauen geben sich als Buchkäufer aus, unter den Männern ist es nur jeder zweite. Und: Je größer die Städte, desto eifriger wird gelesen, was die Statistiker zu der bemerkenswerten These verführt: "Intensivkäufer sind weiblich und leben in Großstädten."

Aber auch das ist eine Wirklichkeit in unserem Leseland: Bei den Geringverdienern erhöhte sich der Anteil der Leser leicht (von 49 auf 50 Prozent); bei den Gutverdienern nahm er ab (69 statt vormals 70 Prozent). Die Erklärung ist keine sozialpolitisch wohlmeinende, sondern eine, die dem neuen Medienkonsum geschuldet ist: So werden Besserverdiener eher von Tablets und Smartphones abgelenkt und am Lesen gehindert.

Zum technischen Info-Equipment scheinen E-Books aber nicht unbedingt zu zählen, denn der einstige Hoffnungsträger der Branche wächst bescheiden. Noch 2013 legten die Umsätze in diesem Segment um staunenswerte 60,5 Prozent zu; jetzt sind es bloß noch 7,6 Prozent, die E-Books einen Anteil am gesamten Buchmarkt von insgesamt 4,3 Prozent einträgt. Eine solche Entwicklung hatte sich schon auf dem US-amerikanischen Markt abgezeichnet, auf dem inzwischen eine Sättigung eingetreten ist: Der Marktanteil digitaler Literatur stagniert dort bei 20 Prozent. E-Books bleiben ein Wachstumsmarkt; eine Goldgrube aber werden sie wohl nicht.

Erstaunlicherweise hat sogar der Online-Buchhandel zu kämpfen. Um 3,1 Prozent sank sein Umsatzanteil, im sogenannten stationären Buchhandel aber nur um 1,2 Prozent. Buchkäufer lieben offenbar ihren vertrauten Laden, was sich auch im Rückbau der großen Filialisten seit Längerem abzeichnet. Dagegen wird ein anderer Konkurrent stärker; das sind die Hersteller. Jedes fünfte Buch wird inzwischen von den Verlagen selbst verkauft. Von alter Solidarität mit dem Handel ist nur noch wenig zu spüren.

Noch fieser erging es aber den Bahnhofsbuchhandlungen; sie büßten zwischenzeitlich bis zu 40 Prozent ihres Umsatzes ein. Daran waren keine Leser, keine Autoren und keine Verleger schuld, sondern der ausgiebige Streik der Lokführer.

Quelle: RP
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