Autorin erlebte "Horrortrip": Elfriede Jelinek von Nobelpreis überfordert
zuletzt aktualisiert: 08.11.2004 - 15:55Frankfurt/Main (rpo). Die aus Österreich stammende Schriftstellerin Elfriede Jelinek fühlt sich vom Erhalt des Literaturnobelpreises völlig überfordert. Das Einzige, was sie sich wünsche, sei, nach einiger Zeit ihr altes Leben wieder aufnehmen zu können. Die ersten zwei, drei Tage nach Bekanntgabe der Preisentscheidung seien "wirklich ein Horrortrip" gewesen.
Jelinek wird bei der Preisverleihung im Dezember nicht dabei sein. "Ich würde meine persönliche Anwesenheit in Stockholm gar nicht verkraften", begründete sie diesen Entschluss. In gewisser Weise habe die Person den Preis bekommen, die ihn sich am wenigstens gewünscht habe. Sie sei nicht undankbar, fühle sich auch geehrt, aber es sei "alles zu groß, zu viel" für jemanden wie sie.
Sie will sich von ihrem Heimatland "nicht als Blume ans Knopfloch stecken" lassen. Jelinek sagte der 'Frankfurter Allgemeinen Zeitung', "das werde ich verhindern. Das geht mit mir nicht". Die Autorin betonte, sie wundere sich auch über den Preis, weil sie doch eigentlich eine Provinzautorin sei, "die in einer bestimmten Weise mit einer bestimmten Sprache arbeitet, die man schon in Deutschland nicht mehr versteht".
Sie stehe in der Traditionslinie der Wiener Gruppe, sagte Jelinek. Das sei eine sehr sprachzentrierte Literatur, die eigentlich weniger mit Inhalten arbeite als mit der Lautlichkeit, mit dem Klang von Sprache. Und das lasse sich nicht übersetzen.
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