Emma McLaughlin / Nicola Kraus: Die Tagebücher einer Nanny
VON SUSANNE GABRIEL - zuletzt aktualisiert: 02.06.2003 - 15:35Achtung - der Klappentext ist irreführend. Denn "Die Tagebücher einer Nanny" von Emma McLaughlin und Nicola Kraus sind keinesfalls witzige Frauenunterhaltung. Das Lachen bleibt dem Leser meist im Hals stecken.
Es geht um die Studentin Nanny, die sich ihr Geld als Kindermädchen verdient. Dabei hat sie schon oft skurrile Erfahrungen gemacht. Ihre neue Arbeit bei der Familie X aber, dessen vierjährigen Sohn Grayer sie betreuen soll, übertrifft alles Bisherige.
In einer Art Satire beschreiben die Autorinnen Mister und Mrs. X, die nie Zeit für ihren Sohn haben und ihm das Kindermädchen immer dann nehmen, wenn er sich gerade an die jeweilige Person gewöhnt hat. In ihrer eleganten, durchgestylten Wohnung gibt es keinen Platz für den selbstgebastelten Weihnachtsschmuck des Kindes. Vor der Wahl der 'richtigen' Schule für den Kleinen werden Psychiater und "Problemberater" konsultiert, aber nächtliche Albträume des Kindes nicht zur Kenntnis genommen.
All dies schildern McLaughlin und Kraus aus der Sicht Nannys. Das ist ein geschickter Schachzug, durch den die Geschichte lebendig wirkt und ohne allzu aufdringlich erhobenen moralischen Zeigefinger. Der taucht dann - leider - zum Schluss auf: Nanny wird entlassen, kann sich nicht einmal von Grayer verabschieden und hinterlässt ihm eine äußerst gefühlvolle Botschaft. Dieses kitschige Ende beeinträchtigt den guten Eindruck etwas.
(346 Seiten)
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