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James Bond als Lebens-Richtlinie
Endlich: Macho-Tipps für Väter

Illustrationen: Macho-Tipps für Väter
Illustrationen: Macho-Tipps für Väter FOTO: Verlag
Düsseldorf (RPO). Dieses Buch macht einen großen Fehler: Es versteckt auf der Titelseite seine Qualitäten hinter dem nichtssagenden Titel "Wickelpedia". Dabei ist es in Wirklichkeit ein zum Schreien komisches Manifest der Männlichkeit – ausschließlich für Väter. Von Philipp Stempel

"Man muss als Vater nicht automatisch eine Lusche sein", schreibt Autor Constantin Gillies in der Einleitung seines kleinen Handbuchs mit dem etwas diffusen Titel "Wickelpedia." Mit diesem Satz zeigt sich, wohin die Reise geht: Das als Lexikon nach Schlagworten gestaltete Taschenbuch setzt sich mit dem modernen Vater-Sein auseinander. Und das auf herrlich erfrischende Art und Weise.

Gillies' Ausgangspunkt ist der Papi des 21. Jahrhunderts. Der ist ein ganz anderer als noch vor 20 Jahren. Früher traf "mann" sich noch auf dem Flur vor dem Kreißsaal, heutzutage ist der werdende Vater wie selbstverständlich bei der Geburt dabei. Und das ist nur der Anfang einer Papi-Biographie. Was folgt, sind Elternzeit, Wickeln, Kochen, Babyschwimmen und Abzählreime-Singen. So bringt es das Rollenverständnis des 21. Jahrhunderts mit sich.

Aus dem Leben gegriffen

Vom Prototyp eines echten Kerls ist das gelinde gesagt weit entfernt. Formel 1, Abenteuer, Ruhm und Ehre, Angeben und Anmachsprüche – futsch. Genau das ist Constantin Gillies (selbst Vater von zwei Töchtern) Baustelle. Sein Anspruch: Vätern die Angst nehmen, mit dem Papa-Status "uncool" zu werden. Hilfestellungen geben für die, die zwischen Windelnwechsel und Bäuerchen auch mal in Ruhe Fußball gucken wollen.

Das, was der Autor aus dieser Aufgabenstellung macht, ist (natürlich) überheblich, ungerecht und polemisch. Aber gleichzeitig ist so viel Wahres daran, dass Väter wie auch Mütter an seinen Beobachtungen ihre helle Freude haben werden. "Wickelpedia" ist eines dieser Bücher, bei denen der Leser immer wieder laut auflacht, weil er sich und sein Leben darin wiederfindet. Den Schäufelchenstreit auf dem Spielplatz ebenso wie Biokost und Begrüßungsrundenreime.

Pipi-Talk

Beispiel gefällig? Aus dem kleinen Papa-Lexikon lässt sich beliebig ein Stichwort herausgreifen. Etwa "Pekip". Die Kurse aus dem Prager Eltern-Kind-Programm dürften vielen  Eltern ein Begriff sein. Man trifft sich dort mit anderen Eltern zu Bewegungsrunden für Säuglinge. Gillies dazu: "Du sitzt in einem Raum, der auf 35 Grad geheizt ist, wischst Urin von Sportmatten ab und fragst den Elternteil mit dem Schwamm neben dir: "Ist das noch von uns?" 

Neben dem treffsicheren Beobachten ist Gillies noch etwas anders anzurechnen. Er erlaubt Eltern, egoistisch zu sein. Oft dreht sich in deutschen Familien alles um Bedürfnisse von Kindern, weniger die der Erwachsenen. Ein Stück deutscher Wirklichkeit, empirisch nachweisbar auf Spielplätzen, in Krabbelgruppen und Kindergärten. Bei Gillies aber dürfen Väter offen mit dem Utschi-Gutschi-Kosmos fremdeln und "Ich-will-aber-Beschwerden" von Dreijährigen abbügeln, ohne auf Augenhöhe zu diskutieren.

Im Zweifel Bond fragen

Kurz und gut: "Wickelpedia" lässt den Kerl im Vater zum Vorschein kommen. Und der ist als Gegenentwurf zum Luschen-Papi cool, souverän und schaut Frauen hinterher. Ein Macho, also. Nicht ganz zufällig ist James Bond der Maßstab, an dem es sich auszurichten gilt. Will man so etwas wie eine zentrale Bilanz aus dem kleinen Büchlein ziehen, so gilt als immerwährende Lebensweisheit: Bei Unsicherheiten einfach 007 fragen, wie der denn auf dem Spielplatz aufschlägt.

In "Wickelpedia" resultiert das in zahlreichen konkreten Verhaltenstipps, angefangen bei der korrekten Haltung hinterm Kinderwagen bis zur Warnung vor bestimmten Handlungen, die man als cooler Vater nie, aber auch niemals auch nur gedanklich in Betracht  ziehen sollte. "Kleiner Erdenbürger"-Sagen zum Beispiel. 

Zahlreiche seiner "Macho-Tipps" hat Constantin Gillies in eigenen Illustrationen skizziert. In den Schwarz-Weiß-Bildern finden sich unter anderem Hinweise auf die Beschaffenheit eines Baby-Butlers, die Spezies der "sexy Mamas" und die richtige Körperhaltung beim Kinderwagenschieben.

 
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