Britischer Dramatiker: Harold Pinter erhält den Literaturnobelpreis
zuletzt aktualisiert: 13.10.2005 - 13:31Stockholm (rpo). Er gilt als "herausragendster Vertreter des englischen Dramas in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts": Harold Pinter. Der Brite erhält den Literaturnobelpreis, gab die Schwedische Akademie der Wissenschaften bekannt. Die einmalige Stellung Harold Pinters werde auch dadurch deutlich, dass sein Name ein Adjektiv prägte, "das eine gewisse Stimmung und ein gewisses Milieu in Theaterstücken beschreibt, nämlich: 'pinteresk'."
Akademie-Sekretär Horace Engdahl sagte, Pinter sei von der Nachricht überwältigt worden. "Er hat nicht viele Worte gesagt, aber er war in der Tat sehr glücklich", sagte Engdahl. Vor drei Tagen, am 10. Oktober, wurde der 1930 als Sohn eines jüdischen Damenschneiders geborene Dramatiker 75 Jahre alt.
Die Nobelpreis-Entscheidung wurde an Jom Kippur, dem höchsten jüdischen Feiertag, bekannt gegeben. "Der Nobelpreis in Literatur des Jahres 2005 wird dem englischen Schriftsteller Harold Pinter verliehen, der in seinen Dramen den Abgrund unter dem alltäglichen Geschwätz freilegt und in den geschlossenen Raum der Unterdrückung einbricht" - so lautet die offizielle Würdigung. Zu Pinters bekanntesten Stücken zählen "The Room", "The Birthday Party" und "The Dumb Waiter" von 1957, "Der Hausmeister" aus dem Jahre 1959 sowie "The Homecoming" von 1964.
Seine Bedeutung erklärte das Nobelpreiskomitee so: "Pinter führte das Theater auf seinen elementaren Ursprung zurück, den geschlossenen Raum und den nicht vorhersehbaren Dialog, wo die Menschen einander ausgeliefert sind und die Verstellung zerfällt. Bei einem Minimum von Intrigen entspringt das Drama dem Machtkampf und Versteckspiel des Wortwechsels." Zunächst sei Pinters Dramatik als Spielart des absurden Theaters aufgefasst, später aber zutreffender als 'Komödie der Bedrohung' charakterisiert worden. "Im typischen Pinter-Stück begegnet man Menschen, die sich gegen fremde Manipulationen oder ihre eigenen Triebe dadurch verteidigen, dass sie sich hinter einem reduzierten und kontrollierten Dasein verschanzen.
Engagement für Menschenrechte
Ein anderes Hauptthema ist Flüchtigkeit und Unfassbarkeit der Vergangenheit." In der Begründung wurde auch Pinters Engagement als Vorkämpfer für die Menschenrechte seit 1973 gewürdigt. Die Kontinuität seines Werkes, etwa mit einigen "seiner stärksten Stücke wie 'No Man's Land' (1974) und 'Ashes to Ashes' (1996)" sei bemerkenswert. Pinters spätere politische Themen könnten als Weiterentwicklung seiner frühen Analyse von Drohung und Willkür aufgefasst werden.
In Deutschland ist Pinter vor allem mit seinen Dramen bekannt geworden. Zuletzt erschienen von ihm "Krieg", "Mondlicht und andere Stücke" sowie der Roman "Die Zwerge". An einem neuen Werk arbeite der Autor derzeit nicht, sagte Helga Jensen, Mitarbeiterin in Rowohlt Theater Verlag, bei dem die Werke des Schriftstellers auf deutsch erscheinen. In den vergangenen Jahren habe Pinter in erster Linie Gedichte geschrieben, die aber nicht ins Deutsche übersetzt worden seien. Dass Pinter in der kommenden Woche die Frankfurter Buchmesse besuchen wird, hält Jensen für unwahrscheinlich. "Den Rummel lehnt er ab", erklärte sie.
Mit dem bedeutendsten Literaturpreis war im vergangenen Jahr die österreichische Autorin Elfriede Jelinek ausgezeichnet worden. Letzter deutscher Literatur-Preisträger war 1999 Günter Grass.
Der Nobelpreis ist mit umgerechnet rund 1,1 Millionen Euro dotiert. Die Auszeichnungen werden traditionsgemäß am 10. Dezember, dem Todestag des Preisstifters Alfred Nobel, der von 1833 bis 1896 lebte, durch Schwedens König in Stockholm überreicht.
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