Literaturnobelpreisträger: Harold Pinter: Vom Schauspieler zum Dramatiker
zuletzt aktualisiert: 13.10.2005 - 15:58Stockholm (rpo). Für den englischen Autor Harold Pinter gibt es nur drei Tage nach seinem 75. Geburtstag erneut einen Grund zum Feiern: Das schwedische Nobelpreiskomitee sprach ihm den Literaturnobelpreis 2005 zu. Der Dramatiker hat für Theater, Radio, Fernsehen und Kinofilme geschrieben. Viele seiner frühen Werke werden dem Absurden Theater zugerechnet.
Pinter wurde am 10. Oktober 1930 in London als Sohn eines jüdischen Schneiders geboren. Seine Familie war von Portugal über Osteuropa nach England gekommen. Ab 1948 studierte er mit einem Stipendium an der damals bekanntesten Schauspielschule des Landes. Das Studium brach er allerdings nach einigen Semestern ab und verweigerte auch den Wehrdienst. Nach anfänglichen Erfolgen als Schauspieler debütierte Pinter 1957 als Dramatiker mit "The Room".
Das frühe Drama "The Birthday Party" wurde später eines seiner meistgespielten Stücke. Seinen endgültigen Durchbruch erzielte er 1959 mit "The Caracter". Pinter wurde zu einem der führenden Dramatiker im englischsprachigen Raum. In seinem 29 Dramen umfassenden Werk machte er die Existenzangst des Individuums zu einem Hauptthema.
Die ausgefeilten Einakter von Pinter gerieten im Laufe der Zeit immer kürzer und nur noch als Sammelaufführungen abendfüllend. Nur 20 Minuten benötigte das 1988 in London uraufgeführte politische Stück "Mountain Language". 1993 wurde mit "Moonlight" nach langer Pause wieder ein abendfüllendes Pinter-Stück uraufgeführt. Peter Zadek inszenierte 1995 die deutsche Erstaufführung dieser verästelten Groteske. In Deutschland ist Pinter vor allem mit seinen Dramen bekannt geworden. Zuletzt erschienen von ihm "Krieg", "Mondlicht und andere Stücke" sowie der Roman "Die Zwerge".
Starke Dramen
Ab Mitte der 80er Jahre entwickelte sich Pinter auch zu einem politischen Autor. Er wandte sich in Gedichten und Essays unter anderem gegen die Sozialpolitik der englischen Premierministerin Margret Thatcher. Auch den Golf-Krieg und den Einsatz der Nato in Serbien prangerte er an. Für seine Protestverse gegen den Irak-Krieg und die Weltmachtpolitik der USA, die 2003 in dem Buch "War" erschienen waren, wurde er mehrfach ausgezeichnet. Im März dieses Jahres kündigte Pinter in einem Rundfunkinterview an, dass er in Zukunft keine Bühnenstücke mehr schreiben und sich stattdessen mehr der Lyrik und der Politik zuwenden wolle.
Pinter werde als hervorragendster Vertreter des englischen Dramas in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts eingestuft, schreibt das Nobelkomitee. Seine Stellung als moderner Klassiker werde dadurch veranschaulicht, dass er eine gewisse Stimmung und ein gewisses Milieu in Theaterstücken beschreibe, nämlich "pinteresk".
Als einige der stärksten Dramen des Briten gelten Stücke wie "One for the Road" von 1984, "Mountain Language" von 1988 und "The New World Order" von 1991. Pinter schrieb auch Drehbücher für Filme, so zum Beispiel "The Servant", "The Accident", "The Go-Between" und "The French's Lieutenant's Woman". Daneben machte er sich als Bühnen- und Filmregisseur einen Namen.
Pinter ist in zweiter Ehe mit der Schriftstellerin Lady Antonia Fraser verheiratet. Aus seiner ersten Ehe hat er einen Sohn. Pinters Hobby ist nach eigenen Angaben das Cricket.
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