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Biografie "Bonbon aus Wurst": Helge Schneiders Lebenslügen

VON DOROTHEE KRINGS - zuletzt aktualisiert: 15.05.2009 - 07:56

Düsseldorf (RP). Der Musiker und kauzige Humorist Helge Schneider hat ein neues Buch geschrieben: "Bonbon aus Wurst". Darin erzählt er erfundene Abenteuer aus seinem Leben. Nach Wahrheiten über Schneider muss der Leser suchen.

Erstmal ein Stück Wurst. Im Vorbeigehen schnappt sich Helge Schneider eine fette Scheibe vom Buffet, das man in einer Kölner Kneipe aufgefahren hat. Ihm zu Ehren. Denn Schneider hat ein neues Buch geschrieben, das den fleischhaltigen Kinderfantasie-Titel trägt "Bonbon aus Wurst". Also gibt es Deftiges zur Buchpräsentation und dazu Helge Schneider, der den Clown gibt, ein breites Grinsen aufsetzt, das er immer mal aus dem Gesicht fallen lässt, als sei die gute Laune nur Spaß. Dann streckt er ein bisschen die Beine aus wie ein müder Bengel, gähnt. Dann wieder setzt er sich kerzengerade auf den Stuhl, als habe er sich vorgenommen, von nun an artig zu antworten auf die Fragen zu seinem Werk.

"Bonbon aus Wurst" ist eine Autobiografie. Helge Schneiders zweite. Schon 1992 hat er ein Buch über sein Leben geschrieben und das schon vorausschauend "Erster Teil" untertitelt. Jetzt also die Fortsetzung, die eine Ansammlung wilder Geschichten aus dem Leben eines Superstars ist, der entfernte Ähnlichkeit mit Helge Schneider (53) besitzt. Nur brettert dieser Superheld ausschließlich in Luxuskarren durch die Welt, jammt mit Benny Goodman, Elvis oder Heino, hat ein zorniges Weib und muss immer wieder befreundete Musiker vor Katastrophen wie dem Tod durch Schlangenbiss bewahren. Wer also etwas erfahren will über das Leben des klugen, verschrobenen Komikers und virtuosen Jazz-Multi-Instrumentalisten muss in den Geschichten nach den vermutlich wahren Sedimenten schürfen.

Doch der Leser kann sich auch schlicht von einem absurden Abenteuer ins nächste tragen lassen, fragt sich allerdings irgendwann erschöpft, warum Schneider diese Hanswurstiaden wohl geschrieben hat. "Weil ich die Autobiografie von Eric Clapton gelesen habe und die so langweilig fand, also wollte ich es auch ein bisschen versuchen", sagt er. Und zögert nicht bei der Frage, ob sein Buch besser gelungen sei. "Aus meiner Erfahrung muss ich sagen, dass mein Buch besser ist, für Clapton ist sein Buch besser." Schneider formuliert wie ein Kind. Er selbst sagt: "Ich schreibe mit wenigen Worten viel auf."

Doch gerade diese Einfachheit bringt seine Gesprächspartner regelmäßig aus dem Konzept. Und das ist Schneiders Konzept. "Ich geh' ja gern in ernsthafte Talkshows, damit ich da gut anecken kann als Bekloppter", sagt er. "Nur dann hat das Sinn." Welchen? "Das Ernsthafte vorzuführen als absoluten Quatsch, als Unsinn." Selbst schwer beirrbare TV-Quassler wie Stefan Raab hat er so schon zum Schweigen gebracht. Er hängt diesen Leuten einfach ein paar Assoziationsketten in den Raum, ein paar Gedankenmobiles, die selbstgenügsam vor sich hinkreisen und keine Vorlage geben für schlagfertige Angriffe irgendeines Moderators.

Auch über sein Buch spricht Helge Schneider mit dieser kautzigen Einfachheit. "Die Leute wollen immer wissen, was in dem Buch stimmt, aber die Grenze zwischen Realität und Unrealität ist fließend. Ich hab' eben Fantasie dazu getan, aber Fantasie hat ja ihren Nährboden, kann gut sein, dass mein Buch eine zweite Ebene hat, adaptiert aus der Werbung ." Und so fort. Eine Masche ist das nicht.

Helge Schneider redet so auch über ernste Dinge. Über Christoph Schlingensief zum Beispiel, den Theatermacher, der mit 47 an Krebs erkrankt ist. Schlingensief hat ein Buch über seine Krankheit geschrieben und erwähnt darin, wie gut ihm ein Besuch seines Freundes Helge Schneider getan hat. "Ich habe ihn besucht, weil ich ihm etwas klarmachen wollte. Er ist mit seiner Erkrankung gleich an die Öffentlichkeit gegangen. Ich wollte ihm zeigen, dass nicht die Presse wichtig ist, sondern dass Menschen wichtig sind."

Helge Schneider kann solche Sätze sagen, ohne dass sie simpel klingen. Er ist eben ein Clown. Einer, der keine Angst hat vor Blamage, sondern das Einfache zur Kunst erhoben hat.


 
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