Herman Melville: Moby Dick
VON LOTHAR SCHRÖDER - zuletzt aktualisiert: 02.06.2003 - 15:34Großes beginnt oft sehr einfach: "Nennt mich Ismael" heißt der unspektakuläre erste Satz. Was dann aber in Herman Melvilles Roman "Moby Dick" folgt, ist die Welt der Walfänger, der riesige Pazifik, auf dem niemand seine Spuren hinterlässt.
Und die hasserfüllte Jagd auf den weißen Wal, der sich Kapitän Ahab mit Leib und Seele verschrieben hat. Die Geschichte von 1851 ist faszinierender denn je, voller Kraft und Überlebenskampf, voller Spannung und Abenteuer. Nach so vielen Verfilmungen gibt es jetzt eine Hörspiel-Version, die das Wort gigantisch wohl verdient: Regisseur Klaus Buhlert arbeitete ein Jahr an dieser Produktion, fünf Monate allein im Studio - bis ein Hörspiel mit fast 30 Sprechern, zahllosen Spezialeffekten und in einer schwindelerregenden Länge von zehn Stunden geboren war.
Doch es sind gottlob nicht diese Rekordverdächtigungen, die die Unternehmung des Bayerischen Rundfunk einzigartig machen. Das Erstaunliche ist die Wirkung und dichte Atmosphäre bei der recht behutsamen Inszenierung mit ihrem Tempowechsel zwischen Erzählung und Handlung. Glänzend die Sprecher, allen voran Rufus Beck als Ismael, dessen gellende Schreie bei dessen Erstbegegnung mit dem wilden Harpunier Queequeg so schnell nicht aus dem Gehörgang verschwinden werden. Kurzweiliger sind zehn Stunden nie vergangen. Kurzum: Das mit Abstand erregendste Hörspiel seit "Der Name der Rose".
(10 CDs)
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