Ehrengast auf der Buchmesse 2005: Im nächsten Jahr wird Korea entdeckt
zuletzt aktualisiert: 07.10.2004 - 14:59Frankfurt/Main (rpo). Nach der arabischen Welt in diesem Jahr ist 2005 Korea das Gastland bei der Frankfurter Buchmesse. "Korea entdecken" heißt es dann. Und weil Korea sowohl aus Süd- wie Nord- besteht, hoffen die Veranstalter auch auf die Teilnahme des Nordens.
Nach Japan und Indien ist Korea das dritte asiatische Gastland auf der Messe, sagte der Direktor der Frankfurter Buchmesse, Volker Neumann, am Donnerstag in Frankfurt am Main. Maeng Ho Park, Vizepräsident des Organisationskomitees für die Gastlandpräsentation, betonte, Korea verfüge über eine der ältesten Buchtraditionen weltweit. So sei in Korea 1234 - also rund 100 Jahre vor Gutenberg - das erste Buch im Metalldruckverfahren entstanden. Das so genannte "Jikji" steht inzwischen auf der UNESCO-Liste "Memory of the World".
Neumann betonte, in Deutschland sei über die reiche koreanische Kultur nur wenig bekannt und das, obwohl in Frankfurt die größte koreanische Bevölkerungsgruppe in Europa lebe. Trotzdem gebe es bisher in keinem deutschen Verlag ein Deutsch-Koreanisches Wörterbuch, und auch einen deutschen Reiseführer über dieses Land suche man vergebens. Die Gastlandpräsentation 2005 verspreche deshalb für viele ein besonderes Erlebnis zu werden.
Neumann beklagte außerdem, dass es "gerade mal ein paar Dutzend Werke" der koreanischen Literatur in deutscher Übersetzung gebe. Grund dafür sei auch ein Mangel an qualifizierten Übersetzern. Dabei lohne es sich aber durchaus, Autoren aus dem so genannten Land der Morgenstille kennen zu lernen. Schließlich seien die Schriftsteller Ko Un und Yi Munyol seit Jahren Kandidaten für den Literaturnobelpreis und eine Reihe jüngerer südkoreanischer Autoren hätten unter anderem in Frankreich für Aufsehen gesorgt.
Der südkoreanische Buchmarkt wächst jährlich um rund zehn Prozent. Der Umsatzanteil der Online-Buchhandlungen beläuft sich auf 20 Prozent des gesamten Volumens. Die südkoreanische Literatur sei "wie die Erdatmosphäre hoch verdichtet", sagte die Autorin Yun Choe. Auf der ganzen Welt gebe es kein Land, das in so kurzer Zeit wie Südkorea alle Stufen der Moderne und der modernen Literatur durchlaufen habe.
In Deutschland will Südkorea, das auf eine 5000-jährige Geschichte zurückblicken kann, sich 2005 mit 53 Projekten präsentieren. Die Programmpunkte seien von der Idee des Dialogs geprägt, sagte Chi Woo Hwang, Direktor des Organisationskomitees. Die Projekte sollten "das allgemeine Verständnis der Deutschen und der Europäer erreichen und zu einem ausgeweiteten Diskurs beitragen". Außerdem wolle Südkorea sich als modernes Land vorstellen. Das zeige auch das Logo für den Frankfurter Auftritt - eine Enter-Taste in Form eines aufgeschlagenen Buches.
Schon im Vorfeld der Buchmesse startet das Gastland eine Literaturtour durch Deutschland. 62 südkoreanische Schriftsteller sollen ab März verschiedene Städte Deutschlands besuchen und Lesungen halten. Thema dieser Veranstaltungen soll unter anderem die Teilungsliteratur Koreas sein.
Chi Woo Hwang betonte, Korea sei das letzte geteilte Land auf der Erde. Im Rahmen der Buchmesse werde es auch eine wissenschaftliche Veranstaltung zur Teilung und den Aussichten auf eine Wiedervereinigung geben. Dass diese Veranstaltung in Deutschland stattfinde, sei für ihn von "ganz besonderer Bedeutung". Er fügte hinzu, die Teilnahme Nordkoreas an der Buchmesse 2005 sei von Seiten des Komitees "überaus erwünscht". Die Besonderheit der nord-südkoreanischen Beziehung lasse jedoch zum jetzigen Zeitpunkt noch keine genaue Planung zu.
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