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Schriftstellerin Jojo Moyes
Die Frau, die Frauen zum Weinen bringt

Jojo Moyes bringt Frauen zum Weinen
Autorin Jojo Moyes wird "Dschodscho Mois" ausgesprochen. FOTO: dpa
Köln. Jojo Moyes hat es geschafft: Mit ihrem neuen Buch "Ein ganz neues Leben" steht die Britin weltweit an der Spitze der Bestsellerlisten. Dabei hatte die 46-Jährige gar nicht mehr recht an einen Durchbruch als Autorin geglaubt. Von Leslie Brook

Ihre Heldinnen sind alles andere als perfekt. Sie sind nicht die tollen Geschäftsfrauen oder die Modeltypen, es sind Kellnerinnen oder Barfrauen, die aus der Arbeiterschicht stammen. Für sie selbst seien ihre Figuren wie Freunde, die sie nie verlassen hätten, sagt Autorin Jojo Moyes (ausgesprochen Dschodscho Mois), die sich vor dem Schreiben eines neuen Romans für jede von ihnen eine komplette Biografie ausdenkt. Das ist ein Teil ihres Erfolgsrezepts, der andere: Moyes begegnet schwierigen Themen wie Tod, Trauer und Verlust mit Humor.

Anders als Joanne K. Rowling hat Jojo Moyes dem Flehen ihrer Leser nach einer Fortsetzung nachgegeben. Ihre Fans fragten die Autorin des erfolgreichsten Liebesromans der jüngsten Zeit immer wieder, wie es mit Louisa aus "Ein ganzes halbes Jahr" weitergehen würde - viele waren nach dem Lesen der letzten Seite von Traurigkeit erfasst worden. Louisa konnte ihren Freund Will nicht retten. Eines Nachts sei sie um 5.30 Uhr aufgewacht und hochgeschreckt, "mein Mann dachte, ich habe einen Herzinfarkt", sagt Moyes, doch tatsächlich sei ihr eingefallen, wie sie die Erzählung weiterspinnen könnte.

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Dreieinhalb Jahre, nachdem ihr Roman "Ein ganzes halbes Jahr" weltweit die Bestseller-Listen eroberte, hat die Britin den zweiten Band "Ein ganz neues Leben" herausgebracht. Und er steht seitdem in Deutschland auf Platz eins. Moyes' Publikum ist zu (fast) 100 Prozent weiblich - zu ihrer Lesung bei der Lit. Cologne am Montag kamen rund 600 Frauen - dennoch will die 46-Jährige nicht in die "Chick Lit"-Ecke gedrängt werden. Diese Literaturform, die leichte Frauenbücher über das Finden der Liebe mit Happy End meint, entspreche ihren Romanen nicht. Ihre großen Themen seien Verlust, Schmerz und Trauer und die Frage, wie ein Mensch damit zurechtkommt. Mit ihren Büchern, die man in einem Rutsch verschlingt, schafft sie es, zu Tränen zu rühren.

Als man sie anfangs gefragt habe, wovon ihre Geschichte handele, und sie wahrheitsgemäß antwortete mit: "Ein Tetraplegiker (Querschnittsgelähmter), der sich entscheidet, seinem Leben ein Ende zu setzen", waren die Reaktionen, nun ja, sagen wir mal, verhalten. Niemand hätte damit gerechnet, dass die dreifache Mutter, die schon mehrere, weitgehend unbeachtete Bücher geschrieben hatte, ausgerechnet damit einen großen Wurf landen würde. Doch genau das passierte. Nun wird die Geschichte sogar mit Emilia Clarke und Sam Claflin verfilmt. Der Film soll im Juni 2016 in die Kinos kommen.

Jojo Moyes meint, ihr schwarzer Humor sei "wohl typisch Englisch". Als ihr jüngster Sohn, der heute zehn Jahre alt ist, taub geboren wurde, habe ihre Familie darüber auch Witze gemacht, sogar im Supermarkt, wo es alle hören konnten: "Wir riefen laut, dass er sein Ohr verloren habe, so nannten wir sein Hörgerät, das ihm immer wieder abhanden kam." In ihren Augen komme man mit solchen Situationen am besten klar, wenn man ihnen mit Humor begegnet. Und so lesen sich auch die Passagen in ihrem neuen Buch unheimlich witzig, in denen sich Fremde, die einen geliebten Menschen verloren haben, in einer Weiterleben-Gruppe begegnen.

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Moyes, die aussieht wie eine Schwester der Schauspielerin Naomi Watts, gibt offen zu, dass bei ihr selbst lange auch nicht alles rund lief, dass sie kämpfte, um sich über Wasser zu halten, dass sie in ihren 30ern in Therapie war. Einiges in ihren Büchern sei autobiografisch. Etwa die Flugangst der Menschen, denen Louisa in der Flughafenbar begegnet. Sie selbst sei zehn Jahre lang gar nicht geflogen, und jetzt, wo sie es muss, um zu Lesungen nach Norwegen, Deutschland oder in die USA zu fliegen, nehme sie "Valium, Alkohol und Hypnosepflaster", sagt Moyes und lacht. Bei ihr weiß man nie genau, was sie ernst meint.

Vor ihrem Durchbruch als Autorin hat Moyes für die "Sunday Morning Post" und den "Independent" gearbeitet. "Ich kann keine Schlagzeile lesen, ohne dass ich mit den Personen, um die es geht, mitfühle." Als Journalistin habe sie gelernt, Menschen zu beobachten und ihnen zuzuhören. "Mir vertrauen Leute ihre Geheimnisse an." Diese würde sie nie ausplaudern. Aber: "Wenn jemand glaubt, die Geschichte des Tetraplegikers sei realitätsfern, der sollte sich einmal anhören, was Menschen wirklich alles durchmachen."

Quelle: RP
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