55-jähriger Österreicher geehrt: Josef Winkler erhält den Büchner-Preis
zuletzt aktualisiert: 01.11.2008 - 16:49Darmstadt (RPO). Der österreichische Schriftsteller Josef Winkler ist im Staatstheater Darmstadt mit dem Georg-Büchner-Preis, dem wichtigsten deutschen Literaturpreis, ausgezeichnet worden. Die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung würdigte damit das bereits vielfach ausgezeichnete Werk des 55-Jährigen, der darin zum großen Teil seine eigenen Erfahrungen verarbeitet hat.
Winkler habe auf die Katastrophen seiner katholischen Dorfkindheit mit Büchern reagiert, "deren obsessive Dringlichkeit einzigartig ist", urteilte die Jury. Was er seit seinem ersten Roman "Menschenkind" aus dem Jahr 1979 in einer barock-expressiven Sprache immer neu anklage, bilde zugleich das produktive Element einer Hassliebe. Darin vereinigten sich "Blasphemie und Frömmigkeit, Todessehnsucht und Todesangst zu einem bewegenden Abgesang auf eine untergehende Welt".
Der mit 40.000 Euro dotierte Georg-Büchner-Preis wird seit 1951 alljährlich vergeben. Zu den Preisträgern gehören Erich Kästner, Max Frisch, Günter Grass und Heinrich Böll sowie die Österreicher Friederike Mayröcker, Elfriede Jelinek und H.C. Artmann.
Lothar Müller und Michael Hagner weitere Preisträger
Außerdem wollte die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung den Johann-Heinrich-Merck-Preis für literarische Kritik und Essay an den Kultur- und Literaturwissenschaftler Lothar Müller verleihen. Den Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa sollte der Mediziner und Wissenschaftshistoriker Michael Hagner erhalten.
Müller sei ein Kritiker, der "auf glückliche und heute selten gewordene Weise sinnliche Anschauung, elegante Prosa und theoretische Reflexion verbindet", hieß es in der Begründung der Jury. Michael Hagners Arbeiten seien Spitzenwerke der wissenschaftlichen Selbstaufklärung. Er schreibe eine "heute selten gewordene, elegante, klare und distinkte Sprache, die komplexe Zusammenhänge und Forschungsprobleme so darzustellen vermag, dass sie verständlich sind, ohne simplifiziert zu werden".
Beide Preise sind mit jeweils 12.500 Euro dotiert und werden seit 1964 alljährlich verliehen.
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