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Ex-Frontfrau von "Wir sind Helden"
Judith Holofernes: Gedichtband zeigt komische Seite der Tiere

Judith Holofernes: Gedichtband zeigt komische Seite der Tiere
Judith Holofernes auf der Buchmesse 2015 in Frankfurt am Main. FOTO: dpa, ade
Frankfurt am Main. Judith Holofernes ist bekannt – als Sängerin, Gitarristin und Songwriterin. Vor allem als Frontfrau der Band "Wir sind Helden"; die Gruppe ging im Frühjahr 2012 auseinander. Jetzt hat die 38-Jährige ein Buch geschrieben – mit Gedichten nur über Tiere. Das Buch "Du bellst vor dem falschen Baum" (104 Seiten, Tropen-Verlag,17,95 Euro) erscheint am 24. Oktober. Von Lothar Schröder

Wann sind die ersten Tiergedichte entstanden?

Holofernes Die ersten, die nun wirklich als Tiergedichte angelegt waren, habe ich vor knapp vier Jahren geschrieben, als wir mit den Helden aufgehört haben und ich das Gefühl hatte: Ich weiß nicht, was jetzt kommt, und ich möchte es auch gar nicht wissen und muss es auch nicht wissen. Ich war schwer entschlossen, nicht sofort wieder einen neuen Plan auszuhecken. In dieser Stille habe ich angefangen, mehr zu schreiben als vorher. Es war eine tolle Erfahrung.

Das Faultier ist jetzt aber nicht Ihr Wappentier geworden?

Holofernes Ich bin höchstens Müßiggängerin in der Ausbildung. Ein bisschen aber schon, darum schließe ich mit dem Gedicht über das Faultier das Buch auch ab.

Wie kamen dann die Zeichnungen ins Buch?

Holofernes Ich kenne Vanessa Karré schon seit vielen Jahren; sie hat übrigens auch das Cover des zweiten Helden-Albums gestaltet. Ich habe ja nicht die Gedichte geschrieben, um ein Buch daraus zu machen. Die kamen einfach so zu mir, und irgendwann waren es dann 15. Erst als ich mit Vanessa zusammensaß, kam die Idee: Okay, wenn sie die Bilder zu den Gedichten macht, dann ist es ein Buch.

Wie war denn die Zusammenarbeit?

Holofernes Es ging auch inhaltlich richtig hin und her. Sie kennt mich eben sehr gut und hat nach einigen Gedichten irgendwann einmal gesagt: Du könntest jetzt ruhig ein paar Tiere ins Buch nehmen, über die du dich ausnahmsweise nicht lustig machst. Sie weiß aber auch, dass ich Tiere total liebe. Auch darum meinte sie dann: Schreib doch über Tiere, die du wirklich magst. Das war echt eine wertvolle Ergänzung. Das Buch hat dadurch mehr Herz bekommen, als wenn ich jetzt nur über Marabus und Tiefseefische abgeledert hätte.

Haben Sie Tiere auch daheim?

Holofernes Wir hatten zu Hause immer fünf bis sieben Tiere. Darunter auch sehr lustige Tiere, die für mich als Kind sehr humorprägend waren - wie drei sprechende Vögel, einen absolut hysterischen Tierheimhund und eine Ratte; hinzu kamen die Tiere, die meine Mutter ständig gerettet hat: einen Igel, der bei uns unterm Schrank überwinterte, oder eine geschiente Krähe. Und erst beim Ausziehen musste ich erfahren, dass ich gegen alle diese Tiere allergisch war. Darum habe ich jetzt leider keine Tiere mehr. Und das ist wirklich nicht so einfach für mich.

Aber die Gedichte dienen jetzt nicht der Kompensation, oder?

Holofernes (lacht) Wer weiß? Wenn ich jetzt so darüber nachdenke, könnte es durchaus sein. Einmal im halben Jahr muss ich zwanghaft Allergiker-Hunde googeln. Aber bisher ist noch nie ein positives Ergebnis dabei herausgekommen.

Für mich gibt es ein Motiv, das sich durch das Buch zieht: Das ist unsere naive Sicht auf die Tiere, kombiniert mit der Sehnsucht, dass Tiere einfach so leben können, wie sie sind, und nicht permanent nach irgendeinen Sinn Ausschau halten müssen. Die Kuh steht auf der Wiese und hinterfragt das Leben nicht.

Holofernes Das stimmt. Ich habe mich in der Zeit, als wir mit den Helden aufgehört haben, viel mit dem Nichtstun beschäftigt. Das hört sich leichter an als es ist. Ich bin aber eine leidenschaftliche Nichtstuerin. Und dann kommt man auch schnell zu Tieren. Und das gefällt mir so an den Tieren: Dass sie dieses Nichtstun so gut können und auch so komisch sind, ohne komisch sein zu wollen. Als Buddhistin weiß ich auch um den Wert des Seins. Man darf aber Tiere dennoch nicht überhöhen, da sie dem Jetzt ja völlig unterworfen sind. Der eigentliche Witz liegt oft darin, wie wir die Tiere sehen. Und wenn man ganz ehrlich zu sich ist, stellt sich – wenn man zum Beispiel einen Marabu sieht – manchmal die Frage: Wozu gibt es so ein Tier, wenn ich es doch so hässlich finde?

Manche Gedichte haben mich an Wilhelm Busch erinnert. Ist der ein bisschen Vorbild gewesen?

Holofernes Der Vergleich ist natürlich schön. Mein eigentliches Vorbild ist neben Morgenstern aber ist eindeutig Robert Gernhardt. Das kommt noch aus meiner Kindheit, die Vorliebe für komische Lyrik.

Welches Tier wären Sie gerne?

Holofernes Ich habe im Zoo mal Otter beobachtet. Und die haben es total raus: Lassen sich den ganzen Tag auf den Rücken treiben, gerne auch paarweise und Händchen-haltend. Das finde ich irgendwie sehr reizvoll.

Fühlen Sie sich jetzt auch als Autorin?

Holofernes Das ist eine spannende Erfahrung. Schreiben war für mich bisher immer nur eine Flucht. Ich liebe es, Musik zu machen. Und das ist nach wie vor die stärkste Kraft. Aber das ganze Drumherum geht einen nach 15 Jahren doch ordentlich auf den Zeiger. Ich hoffe, dass mein Schreiben jetzt erst einmal so verspielt bleibt. Das ist letztlich auch der Grund gewesen, warum ich mit dieser sehr erfolgreichen Band aufgehört habe: Ich wollte mehr Spielbein bekommen.

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