Roman: Juli Zeh: Spieltrieb
VON ANNETT URBACZKA; RP-REDAKTION WIRTSCHAFT - zuletzt aktualisiert: 05.08.2005 - 05:00Eine Seite aufschlagen, ein paar Sätze lesen und wissen, ob das Buch meins wird. So suche ich meine Lektüre aus. Juli Zeh brauchte nur einen Satz. "Ich leide unter einem Geburtsfehler", lässt sie ihre Heldin Ada sagen, "mir fehlt die Fähigkeit, den Abgrund zu vergessen." Ihre eigene Abgründigkeit, tief und facettenreich, hat Juli Zeh vor "Spieltrieb" bereits in zwei Romane gezeigt; schon die habe ich kaum aus der Hand legen können.
Der gleiche Effekt trat wieder ein, mein Schlaf- und Kommunikationsbedürfnis nahm für ein paar Tage rapide ab. Juli Zeh gewährt Einblicke in die Freundschaft von Ada und Alev, zwei verkorkst-kluge Jugendliche, die mit ihrer erbarmungslosen Intelligenz Mitschüler und Lehrer gleichermaßen beeindrucken und manipulieren. Es geht um Freiheit und Macht, um Werte und ihren Wandel. Die Geschichte ist anspruchsvoll dort, wo sie uns mitnimmt in die Gedankenwelt von Ada und Alev. Aber sie bleibt auch bis zuletzt spannend, denn Juli Zeh vergisst bei aller Tiefgründigkeit das Unterhalten nicht.
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