Nach 100 Wochen: Kerkelings Buch stürzt von Platz eins
VON LOTHAR SCHRÖDER - zuletzt aktualisiert: 31.05.2008Düsseldorf (RP). Hinter den Kulissen der Bücherzähler hat sich Dramatisches ereignet. : Hape Kerkelings Werk „Ich bin dann mal weg“ ist nach 100 Wochen auf Platz eins der Bestsellerlisten ins tiefe Tal des Zweitplatzierten gefallen.
Am Freitag hatte sich hinter den Kulissen der Bücherzähler Dramatisches ereignet: Kerkeling war ins von Platz eins gefallen – zugunsten des neuen Spitzenreiters „Wer bin ich – und wenn ja, wie viele“ aus dem Geist und der Feder von Richard D. Precht.
Ein Ruck ist also durch Deutschlands Bestsellerliste gegangen, verbunden mit drei quälenden Fragen. Erstens: Hat es sich in unserem Land ausgepilgert? Zweitens: Wird Hape Kerkeling künftig zu den Bedürftigen gehören? Drittens: Wird es das nun mit dem Buch gewesen sein, nach nicht einmal drei Millionen verkauften Exemplaren? Die Antwort ist dreimal Nein, wobei es auch zu bedenken geben sollte, dass Hape Kerkeling schon einmal verdrängt worden war.
Wir schreiben den 20. April 2007, als das Buch von Gottes Stellvertreter auf Erden mit einer Betrachtung über Gottes Sohn alles Irdische in den Schatten stellt. Papst Benedikt XVI. obsiegte mit „Jesus von Nazareth“, wobei der kurzzeitige Führungswechsel nicht sonderlich ins Gewicht fiel. Denn der Unterschied zwischen „Wir sind Papst“ und „Wir sind Pilger“ ist für die Selbstfindung der Deutschen marginal. Und als fast alle das Jesus-Buch gekauft und gelesen hatten, kauften und lasen sie wieder Kerkelings Niederschrift.
Vielleicht ist der Freitag darum nicht ganz so historisch, wie man glauben könnte. Vielleicht wird unsere schöne neue Bücherwelt bald wieder zurechtgerückt (wenn nämlich alle „Wer bin ich – und wenn ja, wie viele?“ gekauft und gelesen haben). Jedenfalls fällt es schwer zu glauben, dass Kerkelings Pilger-Buch der großen und kleinen Wahrheiten am Ende zur Prophetie wird – indem es seinen Titel beim Wort nimmt.
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