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"Der Schatten des Windes“
Auf den Spuren eines Romans im morbiden Barcelona

"Der Schatten des Windes“: Auf den Spuren eines Romans im morbiden Barcelona
Carlos Ruiz Zafón :„Der Schatten des Windes“, Fischer, 565 Seiten, 10,99 Euro FOTO: verlag
Düsseldorf. Wen will es verwundern, dass ein Buch und die Geschichte seines Autors das Leben eines Zehnjährigen verändern, wenn dieses Buch das einzige ist, das sich dieser Zehnjährige in einer geheimnisvollen Bibliothek mit dem Namen "Friedhof der vergessenen Bücher" aussuchen darf? Der Junge heißt Daniel Sempere, und er ist die Hauptfigur in Carlos Ruiz Zafóns Roman "Der Schatten des Windes". Von Stefan Klüttermann

"Der Schatten des Windes" ist ein Roman, der ein Krimi ist, aber noch so viel mehr. Und dieses "so viel mehr" ist es, womit Zafón seinen Leser in den Bann zieht. Die Handlung spielt in Barcelona, einem von Zafón bildhaft beschriebenen, morbiden Barcelona in der Zeit zwischen 1945 und 1966. Eine Zeitspanne, die im Roman Verbrechen aus der Zeit des spanischen Bürgerkriegs nach 1936 mit dem Alltag der Franco-Diktatur und Erinnerungen an ungesühnte Verbrechen vom Beginn des 20. Jahrhunderts verwebt. Das klingt nach kompliziertem Stoff, und in der Tat verlangt Zafón seinen Lesern verschiedene Zeitebenen, viele Namen und Ereignisse ab, aber sie alle verbinden sich harmonisch und spannend zu einer schlüssigen Geschichte.

Eine Sucht, wie sie "Der Schatten des Windes" beim Lesen erzeugt, befällt auch Daniel Sempere, als er anfängt, die Lebensgeschichte vom Autor Julián Carax zu rekonstruieren. Was er aufdeckt, ist eine mysteriöse Liebes- und Familiengeschichte, eine Geschichte über Verrat, Intrigen und die Liebe zu Büchern. Und es ist eine Geschichte, die Parallelen zu Semperes eigenem Leben schreibt und dieses damit mit Carax so verbindet, wie es der Besuch im Friedhof der vergessenen Bücher prognostiziert hat.

Záfon gelingt es meisterhaft, seinen Roman als Teil der spanischen Erinnerungsdebatte über die Jahre der Militärdiktatur anzulegen, aber die sozialkritische Geschichtsstunde als fesselndes Krimi-Vergnügen feilzubieten. Welchen Erfolg Záfon mit diesem Konzept hat, beweist die Tatsache, dass es inzwischen schon drei Nachfolge-Romane zu "Der Schatten des Windes" gibt - allesamt Bestseller.

Quelle: RP
 
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