Autobiografie: Lisa Moos: "Ich war eine gute Hure"
zuletzt aktualisiert: 27.05.2005 - 11:24Berlin (rpo). Werner wollte nackt und wie ein Schwein im Stall gehalten werden. Sven erregte es, mit einem Schnuller im Mund einen mit Rotwein versetzten Einlauf zu bekommen. Irgendwann wunderte sich Lisa Moos über nichts mehr. Fast 20 Jahre lang arbeitete sie als Prostituierte und später als Domina. Rund 6000 Freier bediente sie. Jetzt ist sie ausgestiegen und hat ihre Lebensgeschichte aufgeschrieben: "Das erste Mal und immer wieder" kommt am 2. Juni in den Buchhandel.
Am Donnerstagabend las die 37-Jährige in der Berliner Ufa-Fabrik erstmals aus ihrer im Verlag Schwarzkopf und Schwarzkopf erscheinenden Autobiografie vor. Warum sie ihre Erfahrungen auf dem Straßenstrich und als Edelnutte im Luxusbordell aufgeschrieben hat? Sie will den Leuten, "das Milieu zeigen, wie es ist, ohne Gruselstories". Auf Mallorca, wo Moos mit Sohn Chrissie lebt, lernte sie einen Mann kennen, der alles über ihre Vergangenheit wissen wollte. Da entschied sie: "Ich schreibe Dir alles auf."
Ohne Co-Autor und in nur drei Wochen hat sich Moos ihr Leben von der Seele geschrieben. Nun gibt sie auf 265 Seiten alles von sich preis. Am Anfang wirkt sie beim Vorlesen noch ein wenig unsicher, doch das gibt sich schnell. Im Publikum sitzen auch Damen, die den Eindruck erwecken, sich mit Lisas früherem Job bestens auszukennen. Bei den Passagen, die Moos vorträgt, lässt sie die knallharten Sachen weg. Denn "Das erste Mal und immer wieder" ist schonungslos offen und spart nicht mit Details der von Moos erlebten Sexorgien.
Moos beginnt mit "Opa Hans". Mit elf Jahren vergewaltigt der Großvater Lisa und bringt ihr Leben völlig aus der Bahn. Mit 16 wird sie das erste Mal schwanger. Um das Geld für eine Abtreibung zu bekommen, verkauft sie ihren Körper. Ohne Schulabschluss und Berufsausbildung bieten sich Lisa kaum Zukunftsperspektiven. Schleichend rutscht sie in die regelmäßige Prostitution. Irgendwann hat sie zwei Kinder von zwei Männern und muss als allein erziehende Hure auch noch Familie und Beruf unter einen Hut bringen.
Zwischendurch hat Moos aber auch gute Zeiten. Die Mädels aus dem "Champagnerkelch", dem Bordell ihrer Heimatstadt, sind ihre kleine Familie. Und der Rubel rollt: Acht Monate nach ihrem ersten Job kauft sich Moos einen Mercedes 280 SL. Ihren Stammfreier Joachim mag sie zudem richtig gern, und der Sex mit ihm macht ihr Spaß.
Für den Leser und Zuhörer wirkt die Lebensgeschichte der großen, schlanken Frau mit den langen blonden Haaren schockierend und ergreifend. Auch für Moos, inzwischen Geschäftsführerin einer Internet-Medien-Agentur, ist Hure kein Traumberuf. Dennoch betont sie: "Ich bereue mein Leben auf gar keinen Fall." Sie habe sich oft als Außenseiter gefühlt, "aber man kann ruhig auch mal ein bisschen rasant leben". Und stolz schreibt sie in ihrem Buch: "Ich war eine gute Hure".
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