Buch-Kritik: Mary & Jerry Newport: Crazy in Love
VON ROGER INGENTHRON - zuletzt aktualisiert: 27.10.2005 - 10:08Autismus setzen die meisten Menschen gleich mit in sich gekehrten Kindern, die immer wieder die selbe Bewegung wiederholen und auf Berührung mit Panikattacken, Schreien und Selbstverletzung reagieren. "Crazy In Love" erzählt die wahre Geschichte zweier Menschen, die mit dieser Krankheit leben, leiden und lieben.
Jerrys und Marys Geschichte beginnt in ihrer Kindheit inmitten der 50er Jahre. Noch wissen beide nichts voneinander, haben aber die gleichen Probleme: Freundschaften mit ihren Mitschülern zu schließen, zu erfassen was der Lehrer eigentlich erzählt oder überhaupt die Welt so zu verstehen, wie alle anderen es ihnen zu erklären versuchen. Für Jerry und Marry ist die Welt anders, auch wenn sich die beiden eigentlich gar nicht so sehr von ihren Mitmenschen unterscheiden. Beide können sprechen, lachen und verrückte Sachen machen. Wenn da nur nicht immer dieser fehlende Blickkontakt wäre. Es sind die kleinen Verhaltensmuster, die der Umwelt zeigen, dass da jemand anders ist.
Zumindest Jerry erzielt mit seinem mathematischen Geschick – er kann jegliche Rechenaufgabe binnen Sekunden lösen – Aufmerksamkeit bei seinen Mitschülern, weiß aber gleichzeitig, dass sie ihn gerade aufgrund dieses Talents als Sonderling betrachten und ihm die Freundschaft verwehren.
Mary wächst, im Gegensatz zu Jerry, in sozialer Armut auf und wird schon aufgrund ihrer Verwahrlosung als Sonderling betrachtet. Diese Umstände und die fehlende Fürsorge der Mutter treiben Mary in die Arme zwielichtiger Gestalten und Beziehungen – immer auf der Suche nach Geborgenheit und Verständnis. Ihre Krankheit, nie diagnostiziert oder behandelt, stürzen sie in all dem Dilemma abwechselnd in Drogensüchte, zerstörerische Liebesbeziehungen und tiefe Depressionen. Bis sie auf Jerry trifft, der in Marrys Sog fast sich selbst und ihre neugefundene Liebe verliert.
"Crazy In Love" erzählt weniger von der Liebesgeschichte der beiden Protagonisten, als vielmehr von deren Kampf auf der Welt zurecht zu kommen und ihren Platz zu finden. Dabei zeigt sich, dass Autismus vielschichtig ist und man gut damit leben kann, wenn einen die Welt nur lässt. In Jerry und Mary Newports Geschichte erlebt man den verschlungenen Pfad, der zu diesem zerbrechlichen Frieden führt. Eine spannende Entdeckungsreise in die Welt des Autismus, in der zumindest die Liebesbeziehung der beiden etwas zu oberflächlich geraten ist.
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