Michael Wallner: Finale
zuletzt aktualisiert: 24.11.2003 - 11:38Berlin (rpo). Musik gibt in Michael Wallners Roman "Finale" den Ton an. Sie ist weit mehr als nur dekorativer Hintergrund eines Dramas. Sie ist der Code für die Endlichkeit des Lebens schlechthin und für die Kraft von Menschen angesichts des nahen Todes.
Wie eine in sich geschlossene musikalische Komposition entwickelt der österreichische Autor seine Geschichte von einem höchst durchschnittlichen Mann, der im Bewusstsein seiner unheilbaren Krankheit eine Zielstrebigkeit findet, wie er sie vorher nicht gekannt hat. Das klingt pathetisch, ist es aber nicht. Es ist vielmehr ein glänzend geschriebenes Buch voller Ironie, zuweilen auch mit zeitkritischen Anklängen und einer konsequenten Linienführung. "Cliehms Begabung" war der erste Erfolg des Autors - "Finale" hat ihn ebenso verdient.
Bei einem Konzert, unter den Klängen von Beethovens "Schicksalssinfonie", erfährt der Held des Romans von seiner tödlichen Krankheit, und diese Eröffnung weckt in ihm die Kraft, schier Unmögliches möglich zu machen. Es "hatte sich ein neues Gefühl eingestellt, das ich in meinem Leben selten gekannt hatte - Vertrauen." In einem gottverlassenen österreichischen Dorf will er ein internationales Künstlerfestival aus der Taufe heben - und dieses Ziel verfolgt er mit enormer Beharrlichkeit gegen den Widerstand der ansässigen Politikmafia, ohne Geld und trotz der Ignoranz der Dorfbewohner. "Wenn man wie ich all die Jahre erlebt hat, dass oft, eigentlich immer, ein großes NEIN vor einem aufragt, das ganze Leben dieses hoch aufragende NEIN, hat man die vielen kleinen Jas zu schätzen gelernt, mit deren Hilfe man das Nein schließlich zum Einsturz bringt."
Held des Romans erfährt beim Konzert von tödlicher Krankheit
Getrieben von der Trauer um seine große Liebe, die er in einer jungen Geigerin wiederzuerkennen glaubt, ist für den Protagonisten das Festival auch die letzte Chance, das wiedergutzumachen, was er in seinem Leben versäumt hat: seine eigene musikalische Karriere und ein Leben mit der jung gestorbenen Geliebten. "Sie haben mir einen Sommer zu schenken", sagt er zu seinem Arzt, deshalb kann ich mich nicht darauf einlassen, meine Kräfte durch lebensverlängernde Maßnahmen vergeuden zu lassen, das Tier in mir verlangt Nahrung."
"Finale" ist eine sozialkritische Milieustudie des heutigen Österreich und zugleich das äußerst sensible Psychogramm eines sterbenden Mannes, der viel versäumt hat und in dieser letzten Phase seines Lebens noch viel erreicht. Eine stimmige Geschichte, die auch noch hervorragend geschrieben ist. So hervorragend, dass es nicht die geringste Mühe macht, durch komplizierte Sätze fließend hindurch zu lesen.
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