Providing |  RP Shop |  PremiumCard |  RP Reise
           
  Newsletter |  RSS |  Mobil |  Apps
Rheinische Post Abo & Service | Anzeigen | ePaper | Schulprojekte  
 
       
 
  Gast
Kommentare ()

Umberto Eco wird 75 Jahre: "Nur ungebildete Menschen denken, dass sie viel wissen"

zuletzt aktualisiert: 01.01.2007 - 12:01

Frankfurt/Main (RPO). Der Bestseller "Der Name der Rose" machte Umberto Eco über Nacht berühmt. Dabei erschien sein Debüt erst, als bereits 48 Jahre alt war. Zuvor war Eco aber auch aktiv. Als Philosoph und Wissenschaftler fand er internationale Anerkennung. Diese Woche wird der Mann mit mehr als 30 Ehrendoktortiteln 75 Jahre alt.  

Das neue Buch von Umberto Eco macht es dem Leser nicht leicht.  Foto: AP, AP
Das neue Buch von Umberto Eco macht es dem Leser nicht leicht. Foto: AP, AP

Geboren wurde Eco als Sohn eines Buchhalters in der Stadt Alessandria im Piemont. Sein Vater hätte ihn gerne als Rechtsanwalt gesehen, doch der junge Eco entschied sich für die Philosophie. Im Alter von 22 Jahren schrieb er an der Universität Turin seine Doktorarbeit über die Ästhetik im Werk des Thomas von Aquin. Anschließend arbeitete er für das italienische Fernsehen, Zeitungen und Zeitschriften und wurde Herausgeber beim italienischen Verlag Bompiani.

Als Philosoph, Ästhet und Sprachwissenschaftler prägte er entscheidend die moderne Semiotik. Diese Zeichenlehre untersucht nicht nur Kommunikationsprozesse, sie liefert auch Interpretationsmuster für literarische Werke und kann bisweilen sogar als Lebensphilosophie dienen. 1975 erhielt Eco in Bologna an der ältesten Universität Europas den weltweit ersten Lehrstuhl für Semiotik.

Seine erfolgreiche literarische Arbeit begann erst Ende der siebziger Jahre, doch gleich sein erster Roman "Der Name der Rose" (1980) wurde ein Bestseller. Es folgten "Das Foucaultsche Pendel", "Die Insel des vorigen Tages", "Baudolino" und zuletzt "Die geheimnisvolle Flamme der Königin Loana".

Ecos Romane sind komplizierte Geflechte von Erzählhandlung, zeichentheoretischen Reflexionen sowie kultur- und philosophiegeschichtlichen Fragen. Gerade darin liegt aber auch der Grund für ihren breiten Erfolg. Gemäß Ecos Konzept von der Offenheit der Kunst entsteht das Kunstwerk unter Beteiligung des Lesers und gewinnt in jeder persönlichen Interpretation eine eigene Bedeutung - lässt also auch zu, dass ein und dasselbe Werk für die einen ein hochphilosophisches Traktat und für die anderen ein hochspannender Krimi ist.

"Wenn ich nicht viel zu tun habe, bin ich verloren"

Am besten sei es, wenn der Autor sofort nach Vollendung seines Werkes sterbe. Dann könne er nämlich die Spur des Textes nicht durcheinander bringen, schreibt Eco im Nachwort zu "Der Name der Rose". Dieses Zitat belegt nicht nur Ecos Auffassung von Texten, sondern auch seinen besonderen Humor. Am deutlichsten kommt dieser in seinen zahlreichen Glossen zum Tragen - die meisten sind entstanden als so genannte Streichholzbriefe für die italienische Zeitung "L'Espresso".

Eco, der seit 1962 mit der deutschen Grafikerin Renate Ramge verheiratet ist und mit ihr zwei erwachsene Kinder hat, gilt als streitbarer Linksintellektueller. Bereits in den siebziger Jahren schrieb er unter dem Pseudonym "Dedalus" für die kommunistische Zeitung "Il Manifesto". Eco sympathisiert mit den Zielen der Globalisierungsgegner, auch wenn er deren Militanz nicht billigt.

Zudem ist er ein engagierter Gegner des inzwischen abgewählten italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi. Noch vor dessen Wahlniederlage im April 2006 hatte Eco angekündigt, dass er bei einem erneuten Wahlsieg Berlusconis ins freiwillige Exil gehen würde.

Sich selbst meldet Eco immer wieder zu Wort, doch zu allem äußern will er sich trotzdem nicht. Es gebe einen allgemeinen Niedergang, einen Verlust der Ideologien und Parteien, was dazu führe, dass viele Intellektuelle zu professionellen Orakeln würden. "Da sie aber nicht über alles Bescheid wissen, erzählen sie Unsinn, der auch noch Einfluss gewinnt", sagte er in einem Interview. Als Intellektueller müsse man sich verteidigen und sagen, dass man die Antwort nicht kenne. "Das ist das klassische Vorbild von Sokrates: Man weiß, dass man nichts weiß. Nur ungebildete Menschen denken, dass sie viel wissen", sagte Eco.

Seine Altersruhe wolle er am liebsten in einem kleinen Dorf im Piemont verbringen, sagte er vor Jahren. Doch derzeit lebt Eco in einem ehemaligen Hotel in Mailand gegenüber dem Sforza-Palast, das ihm ausreichend Platz für seine mehr als 30.000 Bücher bietet. Ein beschauliches Rentnerdasein kann man sich bei Eco ohnehin nicht vorstellen. "Ich bin eine polychrone Persönlichkeit", erklärte er. "Ich beginne viele Dinge zur gleichen Zeit und verschmelze sie dann so, dass eine Verbindung unter ihnen entsteht. Wenn ich nicht viel zu tun habe, dann bin ich verloren."

Am 5. Januar wird Umberto Eco 75 Jahre alt.

Quelle: ap

 
weitere Artikel
 
Links zu diesem Artikel
 

 
Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung. Beachten Sie
dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.

       
Anzeige:

Aktuell bei RP Online
Dänemark gewinnt den Song Contest

Cascada auf Platz 21

Dänemark gewinnt den Song Contest

Am Ende war es eine ganz klare Sache: Mit großem Abstand zum Zweitplatzierten hat Emmelie de Forest aus Dänemark den Song Contest gewonnen. ... mehr 

Katja Ebstein zweifelt an "Cascada"

Eurovision Song Contest 2013

Katja Ebstein zweifelt an "Cascada"

Dreimal trat Katja Ebstein für Deutschland beim Eurovision Song Contest an und verpasste jeweils nur knapp den Sieg. Für unsere Redaktion be ... mehr 

mehr Kultur
Aus der Region

Cascada auf Platz 21

Dänemark gewinnt den Song Contest

Eurovision Song Contest 2013

Katja Ebstein zweifelt an "Cascada"

Gastbeitrag von Präses Manfred Rekowski

Pfingsten – wenn Menschen über Gott reden

Videos

Video

Vorgestellt: Nashorn Kibibi aus dem Krefelder Zoo

Kibibi ist zwei Jahre alt und lebt im Krefelder Zoo. Doch lange kann sie dort nicht mehr bleiben, denn ihre Mutter ist erneut schwanger. ... mehr 

Bundeskanzlerin Merkel trifft Papst Franziskus

Bei der 45-minütigen Privataudienz sprachen Merkel und der Papst über Europa und die Finanzkrise. mehr 

Sehenswerte Bildbände
S.91_Giorgia Boscolo_(c) dpa.jpg

Bildband "Die Erste"

Diese Frauen veränderten die Welt

Welche Frau war die erste Nachrichtensprecherin, welche die erste Landesbischöfin, und welche trug als Erste Hosen im Deutschen Bundestag? Und wer wurde zur ersten Gondoliera der Welt? Ein Bildband zeigt nun starke Frauen, die sich als erste in einem ... mehr

 
Jan_Grarup_Somalia.jpg

Bildband "Fotos für die Pressefreiheit 2013"

Arbeit unter Lebensgefahr

Die Aufnahmen in dem Bildband "Fotos für die Pressefreiheit 2013" kommen aus Ländern wie Syrien, Mexiko und Somalia, aus denen Journalisten nur unter Lebensgefahr berichten können. Oder sie zeigen Menschen und Ideen, von denen die Herrschenden etwa ... mehr

 
Friseursalon am Astor Place

Bildband über einen legendären Laden

Der amerikanische Traum beim Frisör

Im Friseursalon am Astor Place in Manhattan arbeiten Friseure aus allen Ecken der Welt. Sie sind nach Amerika gekommen, auf der Suche nach einem besseren Leben. Der Berliner Fotograf Nicolaus Schmidt hat dem Laden ein Fotobuch gewidmet. mehr

Top-Services
Mehr Nachrichten Kultur Buch
EU-Flagge auf halbmast

Transatlantisches Freihandelsabkommen

Buchhandel fürchtet um Buchpreisbindung

Der deutsche Buchhandel sorgt sich um die Buchpreisbindung. Sie stehe wegen der bevorstehenden Verhandlungen für ein transatlantisches Freihandelsabkommen in Frage, erklärte der Börsenverein des Deutschen Buchhandels am Freitag in Frankfurt. mehr

 

Der neue Brown-Roman ist endlich da

In "Inferno" kehrt Langdon nach Europa zurück

 

"Inferno" von Dan Brown

Wie eine Lizenz zum Gelddrucken

 

Aktfotograf Marc Lagrange

Verführerische Heldinnen

 

Sängerin verrät Lieblingsrezepte

Andrea Berg schreibt ein Kochbuch

 

Bildband "Advanced Style"

Wie verrückt darf man mit 70 sein?

Emmelie de Forrest jubelt über ESC-Sieg
Emmelie de Forrest jubelt über ESC-Sieg
Die Dänin Emmelie de Forrest hat den Eurovision .. mehr 
 
Emmelie de Forrest jubelt über ESC-Sieg
Emmelie de Forrest jubelt über ESC-Sieg
Die Dänin Emmelie de Forrest hat den Eurovision ..
mehr 
ESC 2013: Rumäniens seltsamer Auftritt
ESC 2013: Rumäniens seltsamer Auftritt
Rumänien legt den schrägsten Auftritt hin
mehr 
ESC 2013: Gänsehaut-Auftritt von Bonnie Tyler
ESC 2013: Gänsehaut-Auftritt von Bonnie Tyler
Gänsehaut-Auftritt von Bonnie Tyler
mehr 
ESC 2013: Cascada rockt die Halle
ESC 2013: Cascada rockt die Halle
Cascada rockt den ESC in Malmö
mehr 
Tattoo-Blitzer bei Eva Longoria
Tattoo-Blitzer bei Eva Longoria
Tiefer kann ein Rückenausschnitt kaum sein.
mehr 
George Clooney dreht im Harz
George Clooney dreht im Harz
Das Harz-Städchen Halberstadt avancierte am ..
mehr 
ESC 2013 -  Die Finalisten in Startreihenfolge
ESC 2013 - Die Finalisten in Startreihenfolge
ESC 2013 - Die Finalisten in Startreihenfolge
mehr 
Jetzt Fan werden!

Werden Sie jetzt Facebook-Fan von RP ONLINE und verpassen Sie keine News mehr.

Jetzt Facebook-Fan werden von RP ONLINE