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Mit 40.000 Euro dotiert: Österreicher Josef Winkler erhält Büchner-Preis

zuletzt aktualisiert: 17.06.2008 - 17:24

Darmstadt (RPO). Der österreichische Schriftsteller Josef Winkler erhält den diesjährigen Büchner-Preis. Das teilte die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung am Dienstag in Darmstadt mit. Der Preis ist mit 40.000 Euro dotiert und wird auf der Herbsttagung der Deutschen Akademie am 1. November 2008 in Darmstadt verliehen. Der Georg-Büchner-Preis wird seit 1951 vergeben.

Josef Winkler erhielt den mit 40.000 Euro dotierten Preis.  Foto: AP
Josef Winkler erhielt den mit 40.000 Euro dotierten Preis. Foto: AP

Winkler habe "auf die Katastrophen seiner katholischen Dorfkindheit mit Büchern reagiert, deren obsessive Dringlichkeit einzigartig ist", urteilte die Jury. Was er seit seinem ersten Roman "Menschenkind" aus dem Jahr 1979 in einer barock-expressiven Sprache immer neu anklage, bilde zugleich "das produktive Element einer Hassliebe, in der Blasphemie und Frömmigkeit, Todessehnsucht und Todesangst sich zu einem bewegenden Abgesang auf eine untergehende Welt vereinen".

Er wurde am 3. März 1953 als Bauernsohn in Kärnten geboren und wuchs mit fünf Geschwistern auf. Heute lebt er in Klagenfurt. Zum Schreiben brachte ihn der Selbstmord zweier befreundeter Jungen in seinem Heimatdorf, den er als Verzweiflungstat zweier geächteter Homosexueller deutete. Das Ereignis habe bewirkt, dass "meine Sprache wie ein Geschwür aufbrach", erklärte Winkler.

In seinen ersten Romanen "Menschenkind", "Der Ackermann aus Kärnten" (1980) und "Muttersprache" (1982) setzte er sich mit seinen Kindheitserfahrungen auseinander, mit seinem Hass gegen das Dorf und seine Bewohner, gegen den Vater, die Kirche und die Schule, dem Schweigen der Mutter und seinen Ängsten.

"Meinem Bruder in Poesie"

Der Autor schrieb bei einem zweijährigen Aufenthalt in Rom seinen Italien-Roman "Der Friedhof der bitteren Orangen" (1990). Über seine Beziehung zur Literatur Jean Genets, der ihn bereits in jungen Jahren tief beeindruckte, berichtet Winkler in der essayistischen Prosa "Zöglingsheft des Jean Genet" (1992). Darauf folgte ein längerer Aufenthalt in Indien.

Im Roman "Domra. Am Ufer des Ganges" (1996) beschreibt er die Arbeit der Domra, der den Unberührbaren zugehörenden Kaste der indischen Einäscherer. Seine Novelle "Natura morta" über das römische Alltagsleben wurde 2001 mit dem Alfred-Döblin-Preis ausgezeichnet. Im September soll das Buch "Ich reiß mir eine Wimper aus und stech dich damit tot" erscheinen.

Der Georg-Büchner-Preis wird seit 1951 vergeben und geht an Autoren, die "durch ihre Arbeiten und Werke in besonderem Maße hervortreten und die an der Gestaltung des gegenwärtigen deutschen Kulturlebens wesentlichen Anteil haben", wie es in der Satzung heißt.  Zu den Preisträgern gehören Erich Kästner, Max Frisch, Günter Grass und Heinrich Böll sowie die Österreicher Friederike Mayröcker, Elfriede Jelinek und H.C. Artmann. Im vergangenen Jahr hatte die Verleihung des Büchner-Preises an den Frankfurter Schriftsteller Martin Mosebach Diskussionen ausgelöst.

Mayröcker erklärte laut österreichischer Nachrichtenagentur APA: "Unserem größten Dichter Josef Winkler, meinem Bruder in Poesie, gratuliere ich aus tiefstem Herzen zum Georg-Büchner-Preis." Die Literaturnobelpreisträgerin Elfriede Jelinek lobte: "Ich wüsste keinen Besseren."

Die österreichische Außenministerin Ursula Plassnik würdigte Winkler als unbestechlichen Maler und Analytiker. Sein Schaffen sei eine wichtige intellektuelle und menschliche Botschaft aus Kärnten. "Es zwingt dazu, hinzusehen - auf das Leben in seiner Vielfalt und auf Abgründe."

Quelle: ap

 
 
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