Promibücher: Biografien contra Gerichtsverfahren
zuletzt aktualisiert: 27.12.2003 - 11:12Berlin (rpo). Etliche Promis und solche, die sich dafür halten überschwemmten 2003 den Büchermarkt mit ihren Biografien. Dabei entdeckten sie offenbar ein neues Mittel zum Schlagabtausch: Erst kommt das Buch, dann die gerichtliche Retourkutsche.
Etliche Stars und Sternchen fühlten sich 2003 berufen, ihre Memoiren zu veröffentlichen. Einige von ihnen griffen sogar selbst zu Feder. Doch mit den schriftlichen Ergüssen handelten sich mache Autoren Ärger oder gerichtliche Verfügungen ein.
Für den größten Wirbel sorgte Dieter Bohlens Fortsetzungsbiografie «Hinter den Kulissen». Darin legte sich der 49-jährige Musikproduzent gleich mit mehreren früheren Freunden, Bekannten und Geschäftspartnern an. So zog Ex-«Modern Talking»-Partner Thomas Anders vor Gericht und erwirkte per einstweiliger Verfügung einen Auslieferungsstopp der Bohlen-Bio. Später stellte er Strafanzeige wegen «Verleumdung» und «Beleidigung».
Bohlen verärgerte andere Prominente
Aber auch andere Prominente sahen sich durch Bohlens Ergüsse verletzt: «Tagesschau»-Sprecherin Eva Herman und ihr Kollege Jens Riewa sowie Ex-Partygirl Jenny Elvers-Elbertzhagen griffen ebenfalls zu einstweiligen Verfügungen. Schlagersänger Howard Carpendale, Pur-Sänger Hartmut Engler und Modedesigner Wolfgang Joop beließen es dagegen bei verbaler Kritik.
Bohlens derbe Ausführungen führten dazu, dass nach dem Verbot der ersten Auflage seines Buches die zweite Auflage nur noch in entschärfter Form mit viel geschwärztem Text erscheinen durfte. Und die ursprünglich geplante dritte Auflage wurde gänzlich fallen gelassen.
Auch Grönemeyer zog vor Gericht
Vor Gericht zog auch Erfolgssänger Herbert Grönemeyer. Er erwirkte drei einstweilige Verfügungen gegen die im September erschienene Biografie «Grönemeyer» des Musikjournalisten Ulrich Hoffmann. Der Musiker fühlte sich in seinen Persönlichkeits- und Urheberrechten verletzt.
Selbst familiäre Streitigkeiten unter Prominenten wurden per einstweiliger Verfügung ausgefochten. So erreichte der Sohn des demenzkranken Entertainers Harald Juhnke, Peer, dass seine Stiefmutter wegen ihres Buches «In guten und in schlechten Zeiten» die Vormundschaft über die Persönlichkeitsrechte des Showstars zumindest kurzzeitig entzogen wurde. Susanne Juhnke hatte in ihrer Autobiografie das Leben an der Seite des alkoholkranken Schauspielers beschrieben. Die nächsthöhere Instanz gab der Ehefrau später das volle Sorgerecht für ihren Gatten zurück.
Naddel und Becker in Buchform
Bohlens Ex-Freundin Nadja Abd El Farrag ging sogar per einstweiliger Verfügung gegen einen Werbespot ihres früheren Lebensgefährten für eine Milchmarke vor. Wenig später wurde die 38-Jährige jedoch von ihrem Ex-Manager Gerd Graf Bernadotte selbst verklagt - Bernadotte sah sich in Farrags Autobiografie «Ungelogen» beleidigt.
Boris Becker legte ebenfalls seine Lebenserinnerungen schriftlich nieder. Mit seiner Autobiografie «Augenblick, Verweile doch...» erzürnte er unter anderem seine Ex-Frau Barbara. Diese begnügte sich aber mit kritischen Worten und verzichtete auf gerichtliche Mittel.
Schlagabtausch geht 2004 wohl weiter
Der Schlagabtausch per Promi-Biografie könnte 2004 fortgesetzt werden. So hat Bohlens Kurzzeit-Gattin Verona Feldbusch bereits angekündigt, in die literarische Fehde mit ihrem Ex einsteigen zu wollen. Nachdem Bohlen und Farrag ihre Bücher geschrieben haben, will die 35-Jährige «das Puzzle endlich komplett» machen. Weitere Promis, die viel zu erzählen haben, planen ebenfalls ihre Memoiren: etwa die verlassenen Ehefrauen Uschi Glas und Martina Effenberg.
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