Zum Welttag des Buches: Promis preisen Literatur und Hörbücher an
zuletzt aktualisiert: 21.04.2005 - 11:47Frankfurt/Main (rpo). Das Buch ist der Star, einmal im Jahr. Dann ruft die UNESCO einen Welttag aus, um dem gebundenen Wort zu huldigen. Die Lust am Lesen soll am Samstag bundesweit in mehr als 300 Städten und 850 Buchhandlungen geweckt werden. Vorab lud der Börsenverein des Deutschen Buchhandels zur Auftaktveranstaltung "Leseköpfe" mit prominenten Buch-Botschaftern ein.
Die Krux bei solch einer Lese-Gala: Im Publikum befinden sich nur Menschen, die ohnehin schon Lust am Schmökern haben, Büchermuffel bleiben der Veranstaltung meist fern. So liefert der prominente Vorlesewettbewerb eher neue Buchtipps für Leseratten, als dass er weitere Menschen zum Lesen bekehren könnte.
Und was heißt da überhaupt lesen? Schauspieler Rufus Beck und Komiker Dirk Bach werben eher fürs Hören. Denn Dirk Bach liest aus "Die Stadt der träumenden Bücher" von Walter Moers, dessen dazugehöriges Hörbuch er selbst eingespielt hat. Nichtsdestotrotz ist sein Vortrag sehr vergnüglich. Bach kommt wenig prätentiös daher - sitzt dort im Mozartsaal der Alten Oper im Jogginganzug mit trendigen Turnschuhen und Baseballkappe und agiert dröhnend, keifend, bravourös.
Wie er zum Lesen gekommen sei, fragt Moderatorin Bettina Böttinger. Mit sechs Jahren habe er "Urmel aus dem Eis" gelesen, "das kam da gerade raus", erinnert sich Bach. Rufus Beck hingegen hatte es nicht so mit Kinderbüchern, er stieg direkt in die Literatur für Erwachsene ein, weil er im Internat von älteren Schülern aus deren aktuellen Lieblingsbüchern vorgelesen bekam.
Heute liest Beck. Was heißt da lesen? Beck sitzt nicht vor einem Buch, sondern vor einem Laptop. Der Hörbuch-Guru, der schon Harry Potter seine Stimme lieh, liest nicht, er performed. Sein Vortrag von Lemony Snickets "Die unheimliche Mühle" ist mit Swingmusik und Geräuschen unterlegt - ganz wie im dazugehörigen Hörbuch, das Beck auch selbst eingespielt hat.
So hat die Veranstaltung etwas von einer Promotiontour. Autor Bastian Sick darf aus seinem rund 700.000 Mal verkauften Bestseller "Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod" vorlesen. Immerhin schwärzt der für Spiegel-Online tätige Journalist seine Kollegen noch ein bisschen an, als er verrät, dass ihm die Idee zum Buch beim Korrekturlesen gekommen sei.
Einzig die Bremer "Tatort"-Kommissarin Sabine Postel wirbt nicht für ein eigenes Projekt, sondern verrät, was sie auf ihrem Nachttisch liegen hat. Sie liest aus dem Krimi "Der Judaslohn" von Andree Hesse. "Eine Leiche muss schon sein", findet Postel, die erst Krimis liest, seitdem sie selbst auf der Mattscheibe ermittelt.
Pate der diesjährigen "Leseköpfe"-Veranstaltung ist übrigens "Tagesthemen"-Moderator und Autor Ulrich Wickert. Wie es sich für einen Paten gehört, hielt er sich dezent im Hintergrund und blieb der Auftaktveranstaltung fern.
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