Neues Buch: Rudi Carrell wollte keine Heiligenlegende
zuletzt aktualisiert: 18.08.2006 - 11:21Berlin (rpo). "Ein Leben für die Show": Einen Monat nach dem Tod des großen Entertainers Rudi Carrell ist seine Biografie erschienen. Der Autor Jürgen Trimborn zeichnet darin die vier Jahrzehnte umspannende Karriere und das Privatleben des Showmasters nach. Carrell war am 7. Juli im Alter von 71 Jahren seinem Lungenkrebsleiden erlegen. Über seine offenen Gespräche mit dem Star berichtet Trimborn im Interview.
Herr Trimborm, wie kam es zu der Zusammenarbeit mit Rudi Carrell? Ich hatte im Februar die Übertragung von der Goldenen Kamera gesehen, mit der wahnsinnig bewegenden Dankesrede von Carrell. Da dachte ich: Was für ein Leben, was für eine Karriere, da müsste man doch was zu machen. Dann bin ich an Carrell herangetreten. Er hat sich einige Tage Bedenkzeit ausgebeten, auch wegen seiner Krankheit. Dann hat er sich nach drei, vier Tagen gemeldet und gesagt: "Machen wir das."
Hat er in Ihren Gesprächen offen Rechenschaft abgelegt? Da war ich manchmal sogar erstaunt, wie offen er sprach, und wie offen er seinen Kindern gesagt hat: Sprecht bitte mit ihm, ihr könnt auch Negatives sagen. Er wollte keine Heiligenlegende. Wir konnten auch über die Frauengeschichten, seine Ehen, seine Kinder reden. Er gab mir sogar E-Mail-Adressen von ehemaligen Geliebten.
Hing das vielleicht mit seiner Krankheit zusammen? Ich glaube, er hat das Buch auch als eine Art Vermächtnis betrachtet. Ich könnte mir vorstellen, dass diese ganz große Offenheit, mit der er auch über Privates gesprochen hat, was er ja vorher nie gemacht hat, schon etwas damit zu tun hatte, dass ihm klar war, das das Buch posthum erscheint.
Wie war der Gesundheitszustand Carrells während Ihrer Zusammenarbeit? Es gab schon ein Auf und Ab. Anfang April ging es ihm relativ gut, wesentlich besser als noch im Februar. Ich glaube, das Buch war auch noch mal sehr wichtig, weil er das doch noch alles auf den Weg bringen wollte. Das gab ihm sicher noch einmal einen Kraftschub. Im Laufe des Mai war es schon so, dass die Kräfte deutlich nachließen. Deutlich war auch, dass ihm das Sprechen schwerer fiel.
Hatte Carrel ein erfülltes und glückliches Leben? Absolut. Es hat ihm auch Kraft gegeben, dass er das Gefühl hatte, dass er in seinem Beruf alles erreicht hatte, und der Beruf kam sicherlich immer an erster Stelle. Aber eben auch dass er drei tolle Kinder, fünf tolle Enkelkinder hatte. Ich habe ja auch mit seiner Frau gesprochen, mit seinen Kindern, und es gab tatsächlich keinen Moment, in dem er mit seinem Schicksal gehadert hätte. Er sagte wirklich zu mir: "Ich hatte alles. Wer soll glücklich von dieser Welt gehen, wenn nicht ich. Die Menschen haben mich geliebt."
Nun galt er aber auch als ein nicht ganz einfacher Zeitgenosse. Ich habe mit vielen Kollegen gesprochen, Frank Elstner, Alfred Biolek, Jürgen von der Lippe, die sagten: Wir haben nie jemanden erlebt, der so hart für seine Erfolge und für seine Karriere gearbeitet hat. Schon am Anfang seiner Karriere war er der absolute Perfektionist, der sich für jedes Detail seiner Sendung verantwortlich fühlte. Und wenn es denn eben Leute gab, die vielleicht nicht so gut vorbereitet waren, dann konnte er schon sehr, sehr ausrasten. Dafür war er auch sehr gefürchtet.
Wie würden Sie rückblickend Carrells Einfluss auf die deutsche Fernsehlandschaft bewerten? Ich glaube, es gab keinen, der einen so großen Einfluss hatte. Er war jemand, der immer neue Trends gesetzt hat. Das deutsche Fernsehen wird noch Jahrzehnte aus dem schöpfen können, was Carrell angestoßen hat. "Rudis Tagesshow" beispielsweise hat etwas völlig Neues gemacht, ohne die wären Sendungen wie "RTL Samstag Nacht" nicht denkbar. Er hat die deutsche Fernsehlandschaft revolutioniert.
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