Providing |  RP Shop |  PremiumCard |  RP Reise
           
  Newsletter |  RSS |  Mobil |  Apps
Rheinische Post Abo & Service | Anzeigen | ePaper | Schulprojekte  
 
       
 
  Gast
Kommentare ()

Gabriel Garcia Marquez wird 85: Schreiben auf Leben und Tod

zuletzt aktualisiert: 04.03.2012 - 12:41

Von Joachim Heinz (RPO). "Viele Jahre später sollte der Oberst Aureliano Buendia sich vor dem Erschießungskommando an jenen fernen Nachmittag erinnern, an dem sein Vater ihn mitnahm, das Eis kennenzulernen." Was für ein Einstieg! Mit diesem Satz beginnt Gabriel Garcia Marquez seinen Roman "Hundert Jahre Einsamkeit". Die 1967 erschienene Familiensaga begründet den Weltruhm des kolumbianischen Autors. Am 6. März wird der wortgewaltige Schriftsteller mit dem ergrauten Schnauzbart 85 Jahre alt.

Gabriel Garcia Marquez wird 85 Jahre alt. Foto: dapd, Miguel Tovar
Gabriel Garcia Marquez wird 85 Jahre alt. Foto: dapd, Miguel Tovar

Bis zum Erscheinen seines bis heute bekanntesten Romans hatte sich Garcia Marquez mehr schlecht als recht durchgeschlagen. Aufgewachsen in der kleinen Ortschaft Aracataca an der kolumbianischen Karibikküste, folgen nach Schule und Studium - unter anderem am Jesuitenkolleg San Jose im gut 100 Kilometer westlich gelegenen Barranquilla - Lehr- und Wanderjahre zwischen Europa und Amerika. Bogota, Havanna, Mexiko-Stadt und New York, London, Genf und Rom heißen die wichtigsten Stationen - und Paris.

Eindrücke in Paris

Die französische Hauptstadt mutiert in den 50er und 60er Jahren zu einer Drehscheibe für eine ganze Generation junger Schriftsteller aus Lateinamerika. Hier trifft Marquez auch seinen Landsmann und Kollegen Plinio Apuleyo Mendoza. Dieser wird sich später in warmen Worten an die erste Begegnung des damals 28-Jährigen mit dem europäischen Winter erinnern. "Er rannte und hüpfte, hüpfte und rannte und schrie dabei wie in jubelndem Delirium: Schnee! Erleichtert dachte ich: Das ist ein Verrückter. Seitdem sind Garcia Marquez und ich Freunde."

Im Pariser Hotel de Flandre arbeitet der häufig klamme Autor verbissen an seinem Roman "Der Oberst hat niemanden, der ihm schreibt". Die Erfahrung mit dem kolumbianischen Gast scheint die Hotelbetreiber nicht abgeschreckt zu haben: Wenige Jahre später findet dort Garcia Marquez peruanischer Kollege Mario Vargas Llosa Unterschlupf, um seinen Erstling "Die Stadt und die Hunde" zu vollenden. Kennen- und schätzenlernen werden sich die beiden späteren Nobelpreisträger erst einige Zeit danach - bevor es schon bald zum Zerwürfnis kommt.

Kontakte nach Kuba

Grund sind Garcia Marquez' Verbindungen ins kommunistische Kuba. Die Kontakte zum "Maximo Lider" Fidel Castro lässt der Autor trotz aller Kritik nie abreißen. Stattdessen verwirklicht der Kinoliebhaber auf der Karibikinsel sogar einen Lebenstraum. 1986 öffnet in der Hauptstadt Havanna die Internationale Schule für Film und Fernsehen. Als Präsident der "Fundacion del Nuevo Cine Latinoamericano" (Stiftung des neuen lateinamerikanischen Films) ist Garcia Marquez maßgeblich an dem auch international renommierten Projekt beteiligt.

Ist er deswegen ein "Höfling Castros", wie Vargas Llosa ihm einst vorwarf? Eher nicht, wie ein Blick auf die Vielzahl seiner politischen Gesprächspartner zeigt. Bei Castro selbst setzte sich Garcia Marquez für die Freilassung politischer Gefangener ein; in seiner Heimat vermittelte er im Dauerkonflikt mit den ursprünglich kommunistischen FARC-Rebellen. Und zu seinen Gesprächspartnern in Europa zählten unter anderen Frankreichs Präsident Francois Mitterand und Papst Johannes Paul II.

Vielschichtig ist auch das Werk von Garcia Marquez, das außer Romanen auch Kurzgeschichten, Reportagen und Drehbücher umfasst. Kunstvoll vermischt er immer wieder Realität mit Fantasie. Die Zuordnung zum magischen Realismus trifft es trotzdem nicht ganz, findet seine deutsche Übersetzerin Dagmar Ploetz. Mit seinem literarischen Schaffen berühre er vielmehr Grundfragen der menschlichen Existenz. "Tatsächlich geht es immer um das Leben; das aber begreift der Autor vom Tode her." In seiner "Chronik eines angekündigten Todes" über einen sogenannten Ehrenmord in der kolumbianischen Provinz liest sich das so: "An dem Tag, an dem sie ihn töten sollten, stand Santiago Nasar um fünf Uhr dreißig morgens auf, um das Schiff zu erwarten, mit dem der Bischof kam."

 

Quelle: KNA
Mehr zu den Themen dieses Artikels

 
 
weitere Artikel
 
Links zu diesem Artikel
 

 
Schreiben Sie jetzt Ihre Meinung. Beachten Sie
dabei bitte unsere Regeln für Leserkommentare.

       
Anzeige:

Aktuell bei RP Online

Jodelnder Country-Star

Slim Whitman im Alter von 89 Jahren gestorben

Der jodelnde Country-Star Slim Whitman ist tot. Der US-Sänger sei am Mittwoch im Alter von ... mehr 

Cher: Ich hatte einfach Glück

Pop-Ikone

Cher: Ich hatte einfach Glück

US-Sängerin Cher führt ihre erstaunlich lange Popkarriere auf eine ordentliche Portion Glück zurück. mehr 

Videos

Video

Vorgestellt: Nashorn Kibibi aus dem Krefelder Zoo

Kibibi ist zwei Jahre alt und lebt im Krefelder Zoo. Doch lange kann sie dort nicht mehr bleiben, denn ihre Mutter ist erneut schwanger. ... mehr 

Homo-Scheidung: Grauzonen unter der Regenbogen-Fahne

Eine Familie in New York: Farid Ali und George Constantinou haben zwei Kinder, dank einer Leihmutter. Und sie sind glücklich verheiratet - ... mehr 

Sehenswerte Bildbände
Hippe Huette Bild 12 S 154.jpg

Bildband zeigt ungewöhnliche Häuser

Das sind die hippsten Hütten der Welt

Gartenlauben, Blockhütten, Baumhäuser, Werkstätten, Künstlerstudios, Strandhäuschen – sie alle bieten den idealen Rückzugsort, um ungestört gestalten, zeichnen, schreiben oder einfach entspannen zu können. mehr

 
S.91_Giorgia Boscolo_(c) dpa.jpg

Bildband "Die Erste"

Diese Frauen veränderten die Welt

Welche Frau war die erste Nachrichtensprecherin, welche die erste Landesbischöfin, und welche trug als Erste Hosen im Deutschen Bundestag? Und wer wurde zur ersten Gondoliera der Welt? Ein Bildband zeigt nun starke Frauen, die sich als erste in einem ... mehr

 
Jan_Grarup_Somalia.jpg

Bildband "Fotos für die Pressefreiheit 2013"

Arbeit unter Lebensgefahr

Die Aufnahmen in dem Bildband "Fotos für die Pressefreiheit 2013" kommen aus Ländern wie Syrien, Mexiko und Somalia, aus denen Journalisten nur unter Lebensgefahr berichten können. Oder sie zeigen Menschen und Ideen, von denen die Herrschenden etwa ... mehr

Top-Services
Mehr Nachrichten Kultur Buch
Weltweite Reaktionen auf Überwachungsinformationen

George Orwells Klassiker

Schnüffelaffäre: "1984" verkauft sich blendend

Die Aufregung um die weitreichende Telefon- und Internetschnüffelei der US-Regierung verhilft einem Buchklassiker zu einem Comeback. mehr

 

Bildband zeigt spektakuläre Fotos

So schön ist Deutschland aus der Luft

 
 

Bertelsmann gibt die Lexikonsparte auf

Der Brockhaus ist am Ende

 

Schriftsteller und Philologe gestorben

Walter Jens hielt bis zuletzt am Leben fest

 

Sein letzter Band erscheint Mitte Juni

Science-Fiction-Autor Iain Banks ist tot

Erste Bilder aus dem neuen "Hobbit" aufgetaucht
Erste Bilder aus dem neuen "Hobbit" aufgetaucht
Mit Spannung erwarten die Fans Teil zwei der .. mehr 
 
Erste Bilder aus dem neuen "Hobbit" aufgetaucht
Erste Bilder aus dem neuen "Hobbit" aufgetaucht
Mit Spannung erwarten die Fans Teil zwei der ..
mehr 
LaBrassBanda - das neue "Bumbum"-Abum "Europa"
LaBrassBanda - das neue "Bumbum"-Abum "Europa"
Vor dem Jahr 2007, der offiziellen Bandgründung, hätte wahrscheinlich ..
mehr 
Szenenbilder "Die Monster Uni"
Szenenbilder "Die Monster Uni"
Mit der "Monster Uni" kommen die Schreckmonster ..
mehr 
Singende Fußballer
Singende Fußballer
Zahlreiche Fußballer haben sich schon einmal ..
mehr 
Ausstellung zeigt schwedische Starfotografinnen in Berlin
Ausstellung zeigt schwedische Starfotografinnen in Berlin
Die Schwedinnen Denise Grünstein, Julia Hetta, ..
mehr 
Bildband zeigt "Hippe Hütten" rund um den Globus
Bildband zeigt "Hippe Hütten" rund um den Globus
Gartenlauben, Blockhütten, Baumhäuser, Werkstätten, Künstlerstudios, S ..
mehr 
"Dogs in Space" - Hunde im Welltall
"Dogs in Space" - Hunde im Welltall
Der Fotograf Benjamin Grelle versetzt Hunde ins All.
mehr 
Jetzt Fan werden!

Werden Sie jetzt Facebook-Fan von RP ONLINE und verpassen Sie keine News mehr.

Jetzt Facebook-Fan werden von RP ONLINE