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Fortsetzung der "Millennium"-Trilogie
Lisbeth Salander kehrt zurück

Düsseldorf. Der schwedische Autor David Lagercrantz hat die "Millennium"-Trilogie des verstorbenen Stieg Larsson fortgesetzt. Dessen Verlag und Erben hatten "Verschwörung" bei ihm in Auftrag gegeben. Von Martina Stöcker

Die Romanfiguren Lisbeth Salander und Mikael Blomkvist hätten an dieser Geheimniskrämerei ihre Freude gehabt: Der Schriftsteller David Lagercrantz hat an einem Computer ohne Internet-Verbindung den Krimi "Verschwörung" geschrieben - Hacker sollten chancenlos bleiben. Kuriere brachten das Manuskript zum Verlag, gestern ist das Buch weltweit erschienen. Und es gibt wohl keines, das umstrittener sein könnte.

Der schwedische Journalist Stieg Larsson war 2004 im Alter von 50 Jahren an einem Herzinfarkt gestorben und hatte den Erfolg seiner "Millennium"-Reihe um den investigativen Journalisten Blomkvist und die begnadete Computer-Hackerin Salander nicht mehr erlebt. Jahrelang hatte es Streit in der Familie gegeben: Seine Lebensgefährtin, die wegen des fehlenden Trauscheins beim Erbe leer ausging, behauptete, sie besitze Manuskripte für weitere Bände. Larssons Vater und Bruder konnten sich nicht mit ihr einigen und heuerten gemeinsam mit dem Norstedt-Verlag David Lagercrantz an.

Der 52-Jährige hat mit der Biografie des wohl zurzeit berühmtesten Schweden, Fußball-Star Zlatan Ibrahimovic, für Aufsehen gesorgt und nun das Werk eines Toten fortgeschrieben. "Ich habe getan, was ich konnte", sagte Lagercrantz. "Mein Auftrag war es zu verwalten: Man sollte sich in Stieg Larssons Universum zu Hause fühlen, aber ich sollte auch etwas von mir selbst einbringen." Auf das Ergebnis sei er sehr stolz.

Darüber, ob Lagercrantz Larssons Werk fortführen darf, ist in Schweden ein heftiger Streit entbrannt. Larssons Freunde bezeichnen es als "Grabschändung", einige Kritiker sehen in dem vierten Band nur eine blasse Kopie. Die Lebensgefährtin wittert Geschäftemacherei. Lagercrantz argumentiert, er würde Larsson und seine Bücher vor dem Vergessen retten.

In "Verschwörung" steckt Blomkvist am Anfang in einer tiefen Krise: Ein Konzern hat sich in sein Magazin "Millennium" eingekauft, er sieht seine Unabhängigkeit bedroht. Ihm fehlt die Energie, Neues anzugehen. Dann erfährt er von einem Informatik-Professor, der in Kontakt zu Lisbeth Salander stehen soll. Sein Interesse ist geweckt, kurze Zeit später ist der Mann tot. Blomkvist und Salander nehmen es mit den amerikanischen Spähern der NSA auf und müssen das Leben eines autistischen Jungen retten.

Lagercrantz trifft Larssons Ton gut, es ist eine nüchterne Sprache, und auch die Hauptakteure sind in den Vorgänger-Bänden so detailliert skizziert, dass Lagercrantz sie nur übernehmen muss. Den Themen wie Überwachungsstaat, zunehmende Gewalt und Rechtsextremismus bleibt er treu und entwickelt sie zu einer spannenden Handlung.

Für "Millennium"-Fans, die dieses Buch in den Händen halten, ist es ein Versprechen. Es geht weiter - anders zwar, aber Lisbeth Salander ist zurück. Ein kleiner Trost.

Quelle: RP
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