Neuer Liebesroman erscheint bei anderem Verlag: Streit um "Kritiker"-Roman nagt noch an Walser
zuletzt aktualisiert: 19.07.2004 - 09:24München (rpo). Vor zwei Jahren erschien das Buch "Tod eines Kritikers" und verursachte eine heftige Debatte unter Literaturkritikern. Der Autor Martin Walser hat diesen Streit bis heute noch nicht verwunden. "Es bleibt die Verwunderung und der Schrecken darüber, was möglich ist", so Walser.
Seinen Unmut äußerte der Schriftsteller gegenüber dem Nachrichtenmagazin "Focus". "Da hast du dich schon immer gegen Machtausübung gewandt, und dann wirst du selber zum Ziel. Und dann siehst du auch, wie viele Leute da mitmachen, die von selber gar nicht auf die Idee gekommen wären", zeigte er sich überzeugt.
Wenn aber ein "mächtiger Herausgeber" das Spiel eröffne, "dann wuseln gleich Pfarrer, Philosophen, Feuilletonisten herbei und wollen mitmachen", kritisierte Walser. Es sei ein Lehrstück gewesen. "Die einzige mögliche Form, sich zu wehren, ist weiterzuschreiben", betonte er.
Der Herausgeber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung", Frank Schirrmacher, hatte 2002 einen Vorabdruck von "Tod eines Kritikers" verweigert und dem Autor vorgeworfen, in seinem Buch antisemitische Klischees zu bedienen. Es folgte eine kontroverse Debatte über das Werk.
Walsers neuer Roman "Der Augenblick der Liebe" wird am 23. Juli veröffentlicht. Es ist das erste seiner Werke, das im Rowohlt Verlag erscheint, nachdem seine Bücher jahrzehntelang bei Suhrkamp verlegt wurden.
In dem neuen Roman bricht der verheiratete Privatgelehrte Gottlieb Zürn vom Bodensee aus dem Alltag aus und flüchtet in die Arme einer erheblich jüngeren Doktorandin. Der Stoff geistere schon seit 20 Jahren durch seine Notizen, sagte Walser der "Welt am Sonntag". Geschrieben habe er das Buch in zwölf Monaten.
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