Mehr 100.000 Besucher kamen zu Buchmesse: Ungebremste Leselust in Leipzig
zuletzt aktualisiert: 21.03.2005 - 08:24Leipzig (rpo). Die Welt der Literatur war erneut für vier Tage zu Gast in Leipzig. Mehr als 2.100 Aussteller präsentierten hier ihre Neuerscheinungen auf knapp 50.000 Quadratmetern. Der Einlandung zum Lesen folgten rund 108.000 Besucher. Damit wurde einneuer Rekord gezählt.
Das Ergebnis des vergangenen Jahres wurde so noch einmal um 6.000 Gäste übertroffen. Vier Tage lang hatten Beim parallel stattfindenden Literaturfestival "Leipzig liest" lauschten Zehntausende Bücherfreunde ihren Lieblingsautoren und Prominenten.
Der Chef der Leipziger Messe, Wolfgang Marzin, erklärte, mit diesem neuerlichen Rekordergebnis sei die Buchmesse in eine höhere Klasse aufgestiegen. Vor allem das neue Hallenkonzept - vier halbe statt zwei ganze Hallen - habe das Publikum überzeugt. Laut Marzin haben 90 Prozent der Aussteller ihr Kommen für das nächste Jahr bereits zugesagt.
Der Vorsteher des Börsenvereins des deutschen Buchhandels, Dieter Schormann, sah sich angesichts der Besuchermassen und der guten Stimmung in seinem zu Beginn der Messe geäußerten Optimismus bestärkt. Die Zuversicht, die von der Messe ausgehe, werde sich in den nächsten Monaten auch auf den Buchhandel übertragen, prophezeite Schormann.
Höhepunkt war am Sonntag unter anderem die Buchpremiere des französischen Sängers und Künstlers Charles Aznavour. Vor mehr als 200 Gästen stellte der 80-Jährige die deutsche Fassung seiner Biographie "Der einzige Zufall in meinem Leben bin ich" vor.
Neben den bekannten und weniger bekannten Autoren - insgesamt mehr als 1.000 - war auch politische Prominenz während der Messe in Leipzig. Außenminister Joschka Fischer (Grüne) sprach am Freitag während eines Festaktes zum 40. Jubiläum der diplomatischen Beziehungen zwischen Deutschland und Israel. Oskar Lafontaine (SPD) drohte mit seinem Austritt aus der SPD, falls die Partei nicht wieder Politik für den kleinen Mann mache. Und Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) sonnte sich am Sonntag im Glanze der Kunst bei der Eröffnung der Jubiläumsausstellung des Malers Bernhard Heisig.
Gleich zwei Premieren hatte die Buchmesse in diesem Jahr zu feiern. Erstmals präsentierte sich Südkorea auf der Bücherschau. Das geteilte Land ist Ehrengast auf der Frankfurter Buchmesse im Herbst und gab in Sachsen einen Vorgeschmack auf seine Literaturszene.
Im Rampenlicht stand weiter die erstmalige Verleihung des "Preises der Leipziger Buchmesse". Die hochkarätige Jury, unter anderem mit Feuilletonisten überregionaler Zeitungen besetzt, vergab den mit insgesamt 45 000 Euro dotierten Preis in der Kategorie Belletristik an Terezia Mora für ihren Roman "Alle Tage". Für das beste Sachbuch wurde der Schiller-Experte Rüdiger Safranski geehrt, der Preis für die beste Übersetzung ging an Thomas Eichhorn.
Messechef Marzin zeigte sich optimistisch, dass der neue Preis bald zu den führenden Literaturauszeichnungen im deutschsprachigen Raum zählen werde. Zu Beginn der Messe war die Kroatin Slavenka Drakulic mit dem "Leipziger Buchpreis zur Europäischen Verständigung" geehrt worden.
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