Der Schriftsteller würde aber bei Veröhnung mit FAZ-Herausgeber nicht den ersten Schritt machen: Walser würde sich mit Schirrmacher vertragen
zuletzt aktualisiert: 21.07.2004 - 12:00München (rpo). Vor zwei Jahren sorgte Martin Walsers Buch "Tod eines Kritikers" für Aufsehen. Antisemitische Klischees wurden ihm vorgeworfen. FAZ-Herausgeber Frank Schirrmacher lehnte den geplanten Vorabdruck ab. Der Schriftsteller will eine Aussöhnung nicht ausschließen.
Den ersten Schritt dazu will er aber nicht wagen, wie die Zeitschrift "Bunte" vorab berichtete. "Ich würde nie im Stande sein, so etwas vorzuschlagen, weil ich mich nicht dem Verdacht aussetzen möchte, etwas zu manipulieren, was von selbst nicht geschähe", zitiert die Zeitschrift Walser. Er könne nur akzeptieren, "was ohne mein Zutun geschieht".
Walser war vor zwei Jahren vorgeworfen worden, er bediene in seinem Roman "Tod eines Kritikers" antisemitische Klischees. Schirrmacher hatte das Buch in einem offenen Brief als "ein Dokument des Hasses" kritisiert und einen Vorabdruck abgelehnt, was eine wochenlange erhitzte Debatte ausgelöst hatte. Der Roman gilt als Abrechnung Walsers mit Reich-Ranicki, dem früheren Literatur-Chef der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung". Auch eine Aussöhnung mit Literatur-Papst Marcel Reich-Ranicki hält Walser für möglich.
Walser erklärte, für ihn sei heute immer noch unbegreiflich, was damals passiert sei: "Es war ein Schlag, der dich außer Kraft setzt. Das kann jederzeit wieder passieren. Der Mächtige muss dir gegenüber seine Aktionen nicht rechtfertigen. Er macht das öffentlich, und du musst es dir gefallen lassen." Zum Glück hätten seinerzeit aber immer mehr Intellektuelle seine Partei ergriffen, sagte Walser. So hatte etwa Nobelpreisträger Günter Grass Schirrmacher versuchten Rufmord vorgeworfen und erklärt, dass Buch enthalte "keine einzige antisemitische Zeile".
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