Walter Moers: Rumo und Die Wunder im Dunkeln
VON HANS-JOACHIM JÄGER - zuletzt aktualisiert: 02.06.2003 - 15:35Eines vorweg: Walter Moers schreibt keine Kinderbücher. Er schreibt Märchen für Erwachsene - grausame Märchen. Dies war bereits bei seinem ersten Roman "Die 13 1/2 Leben des Käpt'n Blaubär" so: Die Hauptfigur des Buches hat, vom Namen abgesehen, mit dem "Käpt'n Blaubär" aus der "Sendung mit der Maus" nichts gemein.
"Rumo" - es ist Moers' viertes Buch - ist anspruchsvolle Lektüre. Der Leser muss die Bereitschaft aufbringen, alle Anspielungen aus Literatur, Wissenschaft und Kunst zu entziffern. Er muss sich auf die Sprachspiele des Autors einlassen und auf dessen Themen. Moers geht es um Macht, Anerkennung, Liebe und Tod. Gerade der Tod spielt in allen seinen Büchern eine herausragende Rolle und steht auch in "Rumo" im Mittelpunkt.
Dort erforscht ein Maschinenungeheuer namens Ticktack mit Hilfe einer kupfernen Jungfrau - einer Verwandten des Folterinstrumentes aus der Erzählung "In der Strafkolonie" von Franz Kafka - das Sterben und Leiden bis in alle Einzelheiten. Aber Ticktack ist nicht der einzige, der es mit Tod und Leiden zu tun hat. Da sind die Zyklopen (die Odyssee lässt grüßen ), die ihre Opfer bei lebendigem Leib verzehren, die "untoten" Yetis und das Theater des Todes in der Untenwelt.
Die Nebelstadt erinnert an "The Fog"
Moers setzt in "Rumo" seine Arbeit aus "Wilde Reise durch die Nacht" fort. Dort traten Tod und Zeit sogar personifiziert auf. Konsequent und erfinderisch spinnt der Autor dieses Thema fort. Das Ganze ist spannend zu lesen, wobei Moers häufig Andeutungen auf Protagonisten seiner früheren Werke einflicht. Es gibt Erzählungen in der Erzählung mit teilweise mehreren parallelen Handungssträngen; es gibt Konstruktionen wie die Stadt Wolperting und ihre Einwohner, die den Leser schmunzeln lassen; es gibt Anspielungen auf andere Genres: Die Nebelstadt mit ihren merkwürdigen Bewohnern zum Beispiel erinnert an Stephen Kings Erzählung "The Fog" ("Der Nebel") und deren Verfilmung.
Vielleicht lässt sich Moers am ehesten mit dem Science-Fiction- Autor Stanislaw Lem vergleichen, der eine ähnlich krause Mischung zu Papier brachte. Beide Künstler verbinden Thema und Stil miteinander, beide verstehen sich als ernsthafte Autoren und heben sich sowohl stilistisch als auch inhaltlich von anderen Schriftstellern aus dem Bereich Science Fiction und Fantasy wohltuend ab.
(694 Seiten)
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