Porträt-Band von Oliver Mark: Wenn Promis sich zum Affen machen
VON PHILIPP STEMPEL - zuletzt aktualisiert: 10.12.2009 - 08:42Düsseldorf (RPO). Oliver Mark zählt zu den Stars der Fotografie. Mit Recht. Seine Porträts von Prominenten haben etwas Besonderes. Sie zeigen unbekannte Facetten von Menschen, die man zu kennen glaubte. Es ist erstaunlich, was sie für ihn zu tun bereit sind.
Wen hat er nicht schon vor der Kamera gehabt. Tom Hanks, Angela Merkel, Harry Belafonte, Jerry Lewis, Cate Blanchett sind nur die bekanntesten der zahllosen Namen aus Marks Fotokiste. Im Laufe der Jahre hat er im Auftrag von Zeitschriften und Magazinen zahlreiche Prominente porträtiert. Mit wachsendem Erfolg.
Es sind die Details, die in Marks Bildern diese eigentümliche Spannung erzeugen. Zum Beispiel in der Nahaufnahme des Schauspielers Sir Anthony Hopkins. Vor einem schlichten Hintergrund schaut er in die Kamera. Der Mund ist geöffnet, seine Zunge ist zu sehen. Der Menschenfresser Hannibal Lecter schießt einem durch den Kopf.
"portraits"
Der Bildband von Oliver Mark ist im Hatje-Cantz-Verlag erschienen, zeigt 140 Abbildungen und kostet 39,80 Euro.
So entstehen Bilder, die über das Abbilden und reine Inszenieren von öffentlichen Menschen hinausgehen. Mark zeichnet mit der Kamera Charakterstudien, spielt mit dem Image der Berühmtheiten. Regisseur Claus Peymann zeigt er als traurige Witzfigur mit Pappkrone.
In einem anderen Bild beugt sich der Sänger Udo Jürgens fernab des Rampenlichts müde und erschöpft über eine Suppe. Den damaligen Umweltminister Sigmar Gabriel porträtiert Mark inmitten einer bizarren Naturkulisse, die auch als Biedermeier-Schinken auch in einem altdeutschen Wohnzimmer hängen könnte.
Mark bereitet sich akribisch auf seine Treffen vor. Oftmals betreibt er für sein Shooting sogar großen Aufwand. Aber er zwingt niemandem etwas auf. Durch seine Zurückhaltung schafft er vielmehr Freiräume. Die Menschen vor der Kamera kommen zu sich selbst, probieren sich aus, entfalten sich.
Sein Erfolgsrezept lautet Vertrauen. In den Sitzungen lässt er sich Zeit, dirigiert nicht viel, entwickelt eine gemeinsame Stimmung. "In der Regel sind die Begegnungen auf Augenhöhe", schilderte er einmal seine Vorgehensweise.
Folge: Die Promis, tausendfach fotografiert und eingespielt auf ein bestimmtes Erscheinungsbild in der Öffentlichkeit, öffnen sich. Auch wenn sie das vielleicht gar nicht vorhatten.
Fragt man Leute, die Mark kennen, erwähnen sie oft seine Ruhe. „Manchmal denke ich, dass Oliver Mark in seiner Kindheit einen kleinen Buddha verschluckt hat“, schreibt der "Zeit"-Redakteur Christoph Amend auf der Suche nach dem Geheimnis des Fotografen.
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