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Das politische Buch: Wie Bush die Welt betrogen hat...

VON CHRISTIAN SIEBEN - zuletzt aktualisiert: 14.10.2004 - 12:33

Düsseldorf (rpo). Bücher über George W. Bush haben Konjunktur. Ein Teil dieser Abrechnungen mit dem Präsidenten aus Texas, der per Gerichtsentscheid ins Amt gehievt wurde, kommt über das Niveau wilder Anfeindungen und Verschwörungstheorien nicht hinaus. Jetzt hat der Journalist Elmar Theveßen eine Bush-Bilanz gezogen, die den mächtigsten Mann der Welt genau unter die Lupe nimmt.

Der Autor beginnt seine Bilanz natürlich mit dem Wahldebakel in Florida vor vier Jahren. Nach dem Chaos aus Lochkarten, Wahlmaschinen und Gerichtserlassen wurde ein Mann Präsident, den weder Europa noch die Mehrheit der amerikanischen Wähler wollte. Theveßen zeichnet Bush nicht als geistig wenig bemittelten Zufalls-Präsidenten, der von einem Fettnapf in den nächsten stolpert, sondern als berechnenden Machtmenschen mit klarer Agenda: Bush gibt sich das Image des Einigers (Wahlspruch „Uniter, not Divider“) und betreibt hinter den Kulissen systematisch und erfolgreich eine Politik der Spaltung. Innen- und außenpolitisch.

Kommt in der "Bush-Bilanz" gut weg: Herausforderer John Kerry. Foto: RPO

Die Rekapitulation der Vorgeschichte des 11. Septembers liefert wenig Neues. Der Leser kann die Geschehnisse Dank des gut lesbaren, teils etwas zugespitzten Schreibstils mühelos folgen. Die US-Behörden waren vage vor Anschlägen gewarnt, ob früheres Handeln die Anschläge in New York und Washington verhindert hätte, weiß niemand.

11. September als Katalysator

Detailgenau und Dank der umfangreichen Anmerkungen im Anhang stets fundiert, beschreibt Theveßen, wie die Bush-Administration vor den Vereinten Nation über Saddams Waffenarsenale gelogen hat. Belegte Zitate von Bush und Cheney über angebliche Atomprogramme und Chemie-Waffen des Iraks komplettieren das Bild der absichtlichen Irreführung. Der 11. September hatte lediglich beschleunigende Wirkung auf die bereits bestehende außenpolitische Agenda: Unilateral Stärke zu beweisen, ohne Rücksicht auf die Vereinten Nationen.

Der US-Kongress hat das umstrittene Abhörgesetz gebilligt. Foto: RPO

Lesenwert – weil hierzulande weniger diskutiert – sind die Kapitel über die innenpolitischen Zustände, hier insbesondere die Finanzpolitik der Bush-Aministration. Genüsslich breitet der Autor aus, wie Bush den Rekord-Haushaltsüberschuss der Clinton-Jahre in Rekordzeit in einen gigantischen Schuldenberg verwandelte. An konkreten Beispielen wird aufgezeigt, wie die Regierung Parteifreunden in den Bundesstaaten mit großzügigen Finanzspritzen half. Pikant: Es sind die Republikaner, die den Demokraten seit Jahrzehnten vorwerfen, aus Bundesmitteln Lokalpolitik betreiben zu wollen. „Tax&Spend-Democrats“ rufen sie verächtlich, wenn der politische Gegner Steuern erhöht, um lokale Programme damit zu finanzieren. Dumm nur: George W. Bush gibt mit beiden Händen Geld aus, senkt aber gleichzeitig die Steuern für Reiche. Ein neuer riesiger Schuldenberg ist die Folge.

Unilateralismus, Machtversessenheit, Lügen und Arroganz

Die Aushöhlung der Bürgerrechte durch Justizminister Ashcroft im Zuge des Anti-Terrorkampfs, die wachsende Arbeitslosigkeit sowie das immer noch marode Gesundheitssystem machen für Theveßens die Bush-Bilanz komplett: Der Präsident der USA ist auf ganzer Linie gescheitert. Angetreten als „Uniter, not divider“ hat er ein Land hinterlassen, wie es gespaltener kaum sein könnte.

In seinem Vorwort verspricht der Autor eine sachliches und faires Buch. Der Journalist und „Terrorismus-Experte“ liefert sauber recherchierte Fakten. Auf eine mehrdimensionale Bewertung dieser Fakten wartet der Leser oft vergeblich. Theveßen konstruiert ein Bild aus Unilateralismus, Machtversessenheit, Lügen und Arroganz. Wen sich der Autor als nächsten Präsidenten der USA wünscht, ist keine Frage. John Kerry soll es werden, "der hochdekorierte Vietnam-Veteran", der den "angeblich so patriotischen Republikanischen Kriegsdienstverweigerern" (S. 207) immer mutig die Leviten liest. Theveßen wünscht sich ein anderes Amerika. Das ist legitim. Wie dieses Amerika realistischerweise aussehen könnte, sagt er aber nicht.


 
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