Willi Fährmann: Jahr der Wölfe
zuletzt aktualisiert: 19.08.2003 - 10:21So viele Situationen, bei denen man glaubt - das schaffen die nicht mehr, das können die gar nicht schaffen: nicht übers zugefrorene Meer und nicht bei all den Fliegerangriffen, nicht im schutzlosen Flüchtlingstreck, erst recht nicht bei den Überfällen beutehungriger russischer Soldaten.
Und doch hofft man als Leser immer wieder auf Rettung und fiebert und zittert mit. Die ostpreußische Familie Bienmann ist Ende des Jahres 1944 auf der Flucht mit Sack und Pack. Aus dem Dorf Leschinen in Richtung Westen geht es, nur fort von der Roten Armee und am besten irgendwie nach Berlin, wo hilfsbereite Verwandte hocken. Wie aber soll eine Flucht glücken, wenn Krieg und Elend die Menschen zu Wölfen machen?
Dieses "Jahr der Wölfe" wird für den 12-jährigen Konrad Bienmann zur großen Lebensschule. Er lernt, als der geliebte Großvater stirbt, den Tod kennen, erfährt, was es heißt, zu teilen und zu helfen, Verantwortung zu übernehmen, aber auch: Fische mit der Hand zu fangen. Das eine wie das andere ist schwierig, aber auch wichtig. Denn das eine wie das andere gehört zum Leben. Und dabei erfährt Konrad, dass es neben den Wölfen auch selbstlose Menschen gibt.
Dr. Lukowski ist so einer, versteckt Juden in seinem Haus und riskiert dabei sein eigenes Leben. Auch darum gibt der Leser - unter uns gesagt - die Hoffnung für Konrad und die Bienmanns nie so recht auf. Weil auch diese Familie auf ihrem kleinen Pferdewagen die Hoffnung nie aufgibt. Ihr Vertrauen gilt Stärkerem als der Macht der Wölfe. Eine Geschichte wie eine Zitterpartie, mit nur einem kleinen Fehler: Viel zu schnell ist sie zu Ende. Glücklicherweise gibt es noch drei andere Bände aus dieser aufregenden Familien-Saga.
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