Fotoausstellung: Chaplin als Künstler und Privatperson
zuletzt aktualisiert: 02.02.2006 - 16:02Hamburg (rpo). Als melancholischer "Tramp" wurde er bereits in jungen Jahren weltberühmt. Stock, Schnurrbart, Melone und watschelnder Gang waren seine Markenzeichen. Wie facettenreich der Stummfilmstar Charlie Chaplin war, zeigt ab Freitag eine Hamburger Fotoausstellung, die sich dem gesamten Schaffen des britischen Komikers und Regisseurs widmet. Erstmals werden in den Deichtorhallen 250 bisher unzugängliche Fotos, Filmausschnitte und Plakate des zeitlosen Idols gezeigt.
"Hier wird der Künstler als Mensch gezeigt", sagt die Leiterin der Association Chaplin, Kate Guyonvarch. Denn neben den rund 250 Fotos gäben seine privaten Alben mit ausgeschnittenen Zeitungsartikeln einen tiefen Einblick in seinen Freundeskreis, Hollywood und die privaten Beziehungen des Mannes.
Der Kurator Sam Stourdzé bezeichnet die Ausstellung als einen Dialog zwischen Stil-Fotos und Film. "Die dargestellte Entwicklung des Chaplin-Charakters sei medial vor fünf Jahren so noch nicht möglich gewesen", meint er. Heute flimmern in den Hamburger Deichtorhallen kurze Filmfrequenzen über Flachbildschirme, während Bilderreihen die Entstehung des so genannten "Tramp"-Charakter ergänzend nachzeichnen. Alleine die Verfeinerung der Gesichtszüge Chaplins gleicht einer Studie, die die große Bandbreite von Emotionen des Künstlers offenbart. Auch die Bilder, die bei zahlreichen Dreharbeiten entstanden sind, legen das tiefe Innenleben des Künstlers offen.
Charly Sistovaris, der sich als "größten Fan Chaplins" bezeichnet, hat seinen Großvater bisher noch nie so charakteristisch dargestellt gesehen wie hier. "In der Ausstellung mutet er fast etwas cartoonartig an", sagt Sistovaris. Er selbst habe Chaplin als einen sehr alten und gebrechlichen Mann kennen gelernt, der kaum noch sprechen konnte, erzählt sein Enkel. Die Ausstellung zeigt den Künstler hingegen als einen munteren, lebenskräftigen und unabhängigen Mann. "In diesem Zusammenhang kann er nur mit Picasso verglichen werden", meint der Direktor der Deichtorhallen, Robert Fleck. Da verwundert es kaum, dass ihn der Schriftsteller Kurt Tucholsky schon in den zwanziger Jahren als "den berühmtesten Mann der Welt" bezeichnete.
Die Schau fokussiert nicht nur den äußerlichen Facettenreichtum des ersten großen Filmstars und seine Verwandlungskunst. Chaplin wird neben seinen Porträts als Soldat, Priester, Polizist und Feuerwehrmann auch in seinem politischen Wirken in den 30iger Jahren gezeigt, wie bei den Dreharbeiten zu dem Film "The Great Dictator". Darüber hinaus richtet der Dadaist Erwin Blumfeld zusammen mit Fernand Léger eine Hommage an den Künstler, die eine völlig neue Sichtweise auf den Filmemacher ermöglicht.
Eine weitere Hommage an Chaplin zeigt der Franzose Pierre Coulibeuf in einer Parallelausstellung "somewhere in between", bei der er "das Spiel der Blicke und des Körpers" in den Mittelpunkt stellt. "Mein Ziel ist es, alle gängigen Formen der Kunst aufzubrechen", sagt Coulibeuf. Hierbei soll die Kommunikation, angelehnt an den Stummfilmstar, nicht über die Sprache sondern nur über die Körpersprache funktionieren.
"Chaplin in Pictures - Mensch, Mythos, Filmemacher" im Haus der Photographie in den Hamburger Deichtorhallen, bis 28. Mai 2006, 11 bis 18 Uhr außer montags.
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