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Düsseldorf
"Aufgeben war Ruperts Sache nicht"

Düsseldorf. Die Witwe des Menschenrechtlers Neudeck nimmt den NRW-Staatspreis 2016 entgegen. Von Detlev Hüwel

In einem Festakt hat Ministerpräsidentin Hannelore Kraft der Witwe des Menschenrechtlers Rupert Neudeck, Christel Neudeck, den NRW-Staatspreis 2016 verliehen. Diese Ehrung gilt gleichermaßen ihrem Mann, der im Mai im Alter von 77 Jahren verstarb. Es ist das erste Mal, dass der Staatspreis, die höchste Auszeichnung Nordrhein-Westfalens, posthum verliehen wird.

Das Land würdige damit das humanitäre Lebenswerk des Ehepaares Neudeck, das sich über Jahrzehnte "mit unerschöpflicher Energie" für in Not geratene Menschen eingesetzt habe, sagte Kraft im Ständehaus K21. Bei der Preisverleihung waren auch vietnamesische Familien anwesend, deren Angehörige vor fast 40 Jahren als "boatpeople" von Neudecks Hilfsorganisation "Cap Anamur" (mit dem gleichnamigen Schiff) aus Seenot gerettet worden waren. Nach dem Vietnamkrieg waren sie auf der Flucht vor dem kommunistischen Regime in Nussschalen hilflos auf dem Südchinesischen Meer umhergetrieben.

Christel Neudeck, so die Ministerpräsidentin, habe vom Troisdorfer Reihenhaus aus die Hilfseinsätze koordiniert. Ihr sei es wesentlich zu verdanken, dass selbst internationale Aktionen mit minimaler Bürokratie möglich wurden. Gemeinsam habe das Paar mit seiner Menschlichkeit "der Weltöffentlichkeit vor Augen geführt, dass und wie wir alle den Opfern von Krieg, Flucht und Vertreibung helfen können".

In seiner Laudatio berichtete der bosnische Schriftsteller Dzevad Karahasan, ein enger Freund der Neudecks, dass er ihn zunächst für einen "Sonderling" gehalten habe. Rupert sei ein frommer Christ gewesen, der nicht danach gefragt habe, welcher Konfession derjenige angehöre, dem er helfen wollte.

Ihr Mann habe keine Angst gehabt, berichtete Christel Neudeck und warnte davor, sich von Angst einschüchtern zu lassen. Seine letzte Reise habe ihn nach Palästina geführt, weil er stets an die Möglichkeit zum Frieden glaubte: "Aufgeben war Ruperts Sache nicht." Neudeck sei eben, wie es bei der Preisverleihung hieß, ein "radikaler Humanist" gewesen.

Der NRW-Staatspreis, der seit dem Jahr 1986 vergeben wird, ist mit 25.000 Euro dotiert. Christel und Rupert Neudeck sind die 53. und 54. Preisträger. Im vergangenen Jahr wurde der Künstler Günther Uecker geehrt. Zu den Trägern des Staatspreises gehören auch der Industrielle Berthold Beitz, der Literaturexperte Marcel Reich-Ranicki, der Kabarettist Hanns Dieter Hüsch, die Tänzerin Pina Bausch sowie die Düsseldorfer Kabarettistin Lore Lorentz.

Quelle: RP
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