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Christoph Maria Herbst
"Ich habe immer versucht, politisch zu unterhalten"

Übersicht: Das sind die Kino-Highlights 2015
Übersicht: Das sind die Kino-Highlights 2015
In der Rolle des Strombergs wurde er berühmt; jetzt ist der 49-Jährige im Kino als Bewährungshelfer zu erleben. Von André Wesche

Düsseldorf Nachdem er seine Laufbahn als Büro-Ekel "Stromberg" im vorigen Jahr mit einem Kinofilm abgeschlossen hat, zeigt sich Schauspieler Christoph Maria Herbst fleißig: Bevor seine neuen Werke "Er ist wieder da" im Oktober und "Highway to Hellas" im November an den Start gehen, erlebt man den 49-Jährigen nun in der Satire "Die Kleinen und die Bösen" in der Rolle eines desillusionierten Bewährungshelfers, der sich gegen eine Kindeswohlgefährdung stark macht.

Der Film "Die Kleinen und die Bösen" wagt sich - politisch unkorrekt -, Jugendliche aus dem Kosovo als Gauner darzustellen, die sich Sozialleistungen erschleichen. Erwarten Sie empörte Reaktionen?

Herbst Ich würde es mir wünschen, aber ich glaube es nicht. Jeder, der irgendwie "kunstgewerblich" tätig ist, hat es eigentlich gerne, wenn ein Projekt, an dem er beteiligt ist, für einen kleinen Aufschrei sorgt. Das zeugt von gewonnener Aufmerksamkeit und einer gewissen Fokussierung.

Glauben Sie denn an Konzepte der Resozialisierung?

Herbst Ich habe mich mehr mit der Figur des Bewährungshelfers auseinandergesetzt als mit der Bewährungshilfe in Deutschland an sich. Aber es spricht schon für einen kulturvollen Rechtsstaat, wenn er jedem Menschen, der in seinem Leben auf eine auch noch so kriminelle Verfehlung zurückblickt, eine Chance auf Wiedergutmachung gibt.

Der Film zitiert Gandhis "Ziviler Ungehorsam wird zur heiligen Pflicht, wenn der Staat den Boden des Rechts verlassen hat." Wenn man die Abendnachrichten schaut, müsste sich doch auf den Straßen längst mehr tun?

Herbst Das stimmt. Generell wundert man sich ja, dass nicht aus den verschiedenen Gründen viel mehr Menschen auf der Straße sind. Auch wir beide nicht. Wir reden lieber darüber, anstatt uns gegenseitig eine Mail zu schreiben: "Ich kann gerade nicht, ich muss zur Demo!". Es gibt derzeit so viele Skandale, die vor dreißig Jahren noch für mehrere "Spiegel"-Aufmacher gesorgt hätten. Spontan fällt mir die Ausspähung durch unsere sogenannten amerikanischen Freunde ein, von der europaweit fast kein Handy verschont geblieben ist.

Steckt in Ihnen kein Revoluzzer?

Herbst Ich bin kein 68-er, ich bin Jahrgang 66 und kann nicht sagen, dass ich diese Gene in mir tragen würde, gegen Establishment und jegliche Hierarchie anzukämpfen. Das mache ich weiß Gott nicht. Aber ich verfüge durchaus über ein hohes Maß an Gerechtigkeitssinn. Das fängt bei mir im Kleinen an. Da sollte sich jeder an die eigene Nase fassen und vielleicht vor der eigenen Haustüre damit beginnen, für bessere Verhältnisse zu sorgen.

Beschleichen Sie trotzdem gelegentlich Zweifel, ob der Beruf des Unterhalters für die Menschheit ein wichtiger ist?

Herbst Ich habe eigentlich immer versucht, so politisch wie möglich zu unterhalten. Ich meine das nicht im parteipolitischen Sinne, sondern das Zusammenleben der Menschen betreffend. Es gelingt mir nicht immer, manchmal muss man auch einfach nur schauen, dass der Schornstein raucht. Aber in "Stromberg" konnte ich das zehn Jahre lang trefflich realisieren. In dieser Serie kann man eine Menge darüber lernen, wie Menschen miteinander leben und arbeiten oder was ein Job und Hierarchien aus einem Menschen machen können.

Die Figur Benno hat gelernt, die Einzelschicksale nicht zu nah an sich heranzulassen. Sie unterstützen ein Kinderhospiz. Wie schwierig ist es da, zu helfen, ohne diese Schicksale zu sehr zu verinnerlichen?

Hebrst Das ist schwierig, ja. Deshalb ziehe ich auch den Hut vor diesen Menschen, die das beruflich oder ehrenamtlich jeden Tag machen. Das könnte ich nicht. Wenn ich einen halben oder einen ganzen Tag dort verbracht habe, lässt mich das immer wieder als veränderten Menschen herausgehen. Ich bin sehr geerdet danach und noch dankbarer, dass es mir und meinen Lieben gut geht. Das ist für mich immer Motivation gewesen, erst recht etwas für Andere zu tun und ein bisschen von dem abzugeben, was mir geschenkt wurde. Aus Zufall, weil ich kein Pech hatte oder wie man das auch nennen soll.

Quelle: RP
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